Orlandos Monolog über das Kätchen von Heilbronn
Kätchen, du machst mich wahnsinnig,
Deine Tugendhaftigkeit stinkt zum Himmel,
Du schlägst mich mit Deiner Wesensart an die Wand,
Zeigst mir Deine nackte Reinheit,
Deine Gradlinigkeit.
Deine Anwesenheit lässt mich meine Unvollkommenheit als Mensch spüren.
Kätchen, für Dich wandle ich mich zur tugendhaften Frau,
Damit Du in meinem Spiegelbild Dein verdammtes Gutsein als das erkennst,
Was es in Wirklichkeit ist. Die Langeweile in der Gestalt einer unbefriedigten Frau.
(Bild 2014, Text 2006)
Spontan entstandener Text nach einer Aufgabenstellung eines Literaturkurses. Jeder Teilnehmer nahm sich einerLiteraturfigur an, die dann auf eine andere Figur mit einem kleinen Text reagieren sollte. Meine Wahl fiel auf Orlando und eine Nachbarin entschied sich für das Kätchen.
Voller Inbrunst, an Sheakspear denkend, trug ich meinen Text gut betont vor. Stille, die Teilnehmer starrten mich an, warum? Oh, das Kätchen sitzt im Rollstuhl, hatte ich völlig vergessen. Schnell bemühte ich mich um eine Erklärung:"Habe natürlich nicht Dich gemeint, sondern nur das Kätchen." Meine Nachbarin lächelte fröhlich, freute sich, sie hatte das auch so verstanden. Ich hatte sie als Person wahrgenommen nicht als Behinderte.

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