Donnerstag, 25. September 2014

Erinnerung an eine Klassenreisen nach Amrum im analogen Zeitalter


Vor einigen Jahren überreichte meine Mutter zwei Hefter aus meiner Kindheit. Damals war es noch üblich einen Bericht über die Klassenreisen zu verfassen. Hier eine kleine Anekdote aus Amrum, voll im Griff der Pubertät, im Alter von 11 Jahren.
(Anmerkung: "immer" eines meiner Lieblingswörter seit der Kindheit, kann ich immer wieder anwenden,).


Der Mittagsschlaf
Als wir wieder einmal Mittagsschlaf hielten, war es bei uns im Zimmer mucksmäuschenstill, denn wir waren alle in einen Liebesroman vertieft. Plötzlich gab es einen dumpfen Laut, erschrocken schaute ich in Juttas Bett hinauf, dann musste ich lachen, denn Jutta war mit dem Oberkörper zwischen Fensterbank und Bett eingeklemmt. Lachend fragte ich sie:"Wie hast du denn das gemacht?" "Als Ingrid an meinem Bett wippte wollte ich sie kitzeln und dabei flog ich auf die dumme Fensterbank.", antwortete sie lachend. Als sie wieder hochkommen wollte, konnte sie es nicht, denn sie musste immer in unserer Gelächter mit einstimmen, sie sah ja auch zu komisch aus. Also musste Ingrid sie an den Beinen hochziehen. Als Jutta wieder in ihrem Bett lag sagte sie:"Aua, mir tun alle Knochen weh und nur wegen dir Ingrid Salau." Scherzend antwortete Ingrid:" Jawohl mein Mäuschen, ich tu es auch nicht wieder." Wir mussten alle lachen als sie das sagte. Ein paar Minuten. Später kam Frau Eggers und sagte:"Aufstehen, der Mittagsschlaf ist vorbei!" Vergnügt standen wir auf.

Der Mann auf dem Fahrrad
Ein junger Mann mit einer weißen Mütze sauste immer auf seinem Fahrrad am Honigparadies vorbei. Wir dachten uns weiter nichts dabei. Aber er kam immer öfter und blieb vor dem Heim stehen. Sein Kofferradio, das er immer im Arm hielt, stellte er dann auf volle Lautstärke. Da wurde uns doch unheimlich zu Mute. Wir gingen ihm aus dem Weg, denn Frau Eggers hatte gesagt:"Um den Mann müsst ihr euch nicht kümmern, der ist nicht ganz richtig im Kopf. Schaut ihn bitte nicht an. Tut so, als wenn ihr ihn garnicht seht." Wir bemühten uns auch ihn nicht anzusehen, aber ab und an warfen wir doch einen Blick hinüber. Von weitem sah er ganz normal aus. Aber wenn man näher herankam, bemerkte man, dass er ganz große Augen hatte. Er stierte uns immer so komisch an. Manchmal stand er Abends vor dem Heim und flötete ganz unheimlich. Wenn wir es hörten bekamen wir eine Gänsehaut. Zuletzt kam er immer seltener weil er merkte, dass wir ihn gar nicht beachteten. Eines Tages kam er überhaupt nicht mehr.



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