Montag, 22. September 2014

Atemlos, 1. Schreibversuch von 2002

Atemlos

Als Otto sich umschaute war niemand zu sehen. Langsam ging er weiter, achtete genau auf den Klang seiner Schritte. Wieder erschien es, als würde ihn jemand folgen. Er ging schneller, begann zu laufen. Laut hallten seine Schritte von den Wänden der Häuser zurück. Otto begann zu keuchen. Er war das schnelle Laufen nicht gewöhnt. In seinem Beruf brachte er die meiste Zeit im Sitzen zu. Er wagte nicht sich nochmals umzudrehen, sondern rannte weiter, einfach weiter und bog um die Ecke. Der Hall der Schritte eines Verfolgers war noch immer zu hören, aber Otto wusste, dass er sein Tempo nicht mehr halten
konnte. Er brauchte eine Verschnaufpause. Er konnte sich nicht erklären, warum er immer mehr davon überzeugt war, sein Verfolger wollte ihn töten. Ihm fiel auch kein Grund ein, warum irgendjemand ein Interesse an seinem Tod haben könnte. Allein die Angst krallte sich in ihm fest, ließ ihn weiterlaufen, obwohl sein Herz schmerzhaft pochte und ihm vom Laufen übel war. Vielleicht  bildete er sich nur alles ein. Hinter ihm war womöglich wieder alles leer, wenn er zurückblickte. Aber er traute sich nicht. In ihm wuchs allmählich die feste Überzeugung , dass hinter ihm jemand herlief. Es schien sicher, dass er ihm nach dem Leben trachtete. Atemlos bog er um eine Ecke ohne sich umzuschauen. Als er die Mauer am Ende der Straße sah erschrak er. In ihm begann es zu stechen, seine Brust schien zu zerspringen. Nun waren es vielleicht noch 100 Meter bis er die Mauer erreicht hatte. Sie war nicht besonders hoch, aber Otto sah keine Möglichkeit dort hinüber zu kommen. Während er sich der Mauer näherte wurde er langsamer. Die Schmerzen waren verschwunden, sein Atem schien wieder frei, gleich war er da. Nur noch wenige Meter trennten ihn von seiner Wohnungstür  als hinter ihm jemand mit keuchender Stimme brüllte:
"Halt! Verdammt noch mal, nun bleiben sie doch endlich stehen!"
Otte erschrak und blieb stehen, drehte langsam den Kopf nach hinten und schaute in das erschöpfte Gesicht einer ihm fremden Person.
"Was wollen sie von mir? Warum verfolgen sie mich?", fragte Otto ängstlich. Max, der Verfolger blieb atemlos stehen, holte tief Luft und begann entrüstet:
"Sagen sie mal, fehlt ihnen nicht etwas? Sie haben ihr Schlüsselbund verloren. Die ganze Zeit renne ich hinter ihnen wie ein Blöder hinterher und sie Idiot bleiben nicht stehen."
Otto war erleichtert und lächelte den Fremden freundlich an:
"Bitte entschuldigen sie, aber ich dachte sie wollen mich überfallen."
Max grinste und übergab den Schlüssel.

Ja, ja, ziemlich grausiger Textstil, aber ich stehe dazu. Meine allererste Kurzgeschichte seit meiner Kinder und Jugendzeit. Vielleicht veröffentliche ich aus der frühen Zeit, einige Berichte aus den Klassenreisen nach Amrum und in den Harz, vielleicht, mal sehen. Ach was, warum nicht.
Nächste Post auf diesen Blog, meine zeichnerische Begleitung einer grausigen Weiterbildung.

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