Montag, 29. September 2014

Glücklicher Montag


Montag ist heute ein wunderbarer Tag voller Sonnenschein und  milder Luft die nach Herbst riecht. Das Glück scheint beinahe perfekt zu sein, wenn die Gedanken sich nach der Sonne strecken um im Wohlgefühl der Wärme die Seele baumeln zu lassen. Es tut gut sich der Gedankenlosigkeit  hinzugeben, schenkt sie doch Ruhe und Gelassenheit im Meer der Überbrodelnden Nachrichtenwelt. Verschafft dem Bewusstsein eine unendliche Distanz zu dem was nah und fern geschieht. 

Zuviel Entspannung fördert keine Texte, lässt die Worte im Nichts verschwinden. Das ist Kontraproduktiv für eine tägliche Post. Was tun? Keine Wut, kein Kummer, nur unendliches Glück über die warmen Sonnenstrahlen eines herrlichen Montag im Herbst.

Sonntag, 28. September 2014

Die Entsorgung und die Gesellschaft

Ohne Wochentage gäbe es keine Zeiteinteilung. Ohne Sonntag wird es keinen Montag geben. In wenigen Stunden ist es soweit, ich kann es kaum erwarten, ein neuer Montag steht vor der Tür. Leider wird er nicht an meiner Tür anklopfen, geschweige denn klingeln. Ein Blick auf die neue Zeitung und ich weiß Bescheid, Montag der 29. September. Seit einem Jahr oder sind es schon seit zwei Jahren, besteht meine Zeitung nicht mehr aus Papier, sie erscheint digital, das ist eine erhebliche Papiermüll Reduzierung. Der Weg zum Papiercontainer endet meistens am Hausmüll, Grünem Punkt und Bioabfall, stark bedruckte Pappe gehört in den Hausmüll. Früher habe ich sämtliche Papierabfälle im Papiercontainer entsorgt. Die Mülltrennung wird immer komplizierter, der Grüne Punkt hat seine Zusammensetzung verändert. Eine Zeitlang durften wir alles mögliche reinwerfen, Holz, Metall usw. Jetzt ist es wieder anders, zwar zeigen nette Bildchen welcher Müll dort entsorgt werden darf, aber niemand hält sich daran, ich auch nicht. Der sogenannte Grüne Punkt ist auch nicht mehr das was er mal war. Welcher Plastikabfall soll nun wo entsorgt werden? Montag und Donnerstag kommt die Müllabfuhr, wahrscheinlich wird der Müll aus allen Containern in der Müllverbrennungsanlage vernichtet, das ist gut für die Energieversorgung.
Einige meiner Nachbarn entsorgen den Papier Werbemüll direkt im Hausflur, entweder werfen sie ihn auf den Boden, die sorgfältigeren unter ihnen stecken ihn in die Rillen des Heizkörper an der Wand. Es obliegt dann den anderen Hausbewohnern, die Hinterlassenschaften auf dem Weg zum Müllplatz aufzuheben und mitzunehmen. Was geschehe, wenn sich niemand mehr für diese Papierhaufen interessieren würde, werden wir dann im Müll ersticken, verbrennen ( ein Eldorado für Pyromane) ?
Käme es bei den Müllverursachern zu einer Einkehr zum Besseren? Verantwortung für sein Umfeld übernimmt wohl nur derjenige der sich nicht von der Gesellschaft abgehängt fühlt. Den anderen ist die Gleichgültigkeit, das Interesse für ihre Umgebung ins Gesicht geschrieben, sie reagieren aggressiv, wenn sie darauf angesprochen werden, auch sozialer Brennpunkt genannt.

Protokoll einer Weiterbildung

Um der Langeweile zu entfliehen, zeichnetet ich vor langer Zeit, genau im Jahr 2002, während der Unterrichtsstunden einer Weiterbildung zur Kulturmanagerin, meine Version der Inhalte des stark verschulten Unterrichts anstatt sie niederzuschreiben.



































Freitag, 26. September 2014

Gibt nix zusagen


Nix los, war ja klar. Bin in die Stadt gefahren, neues Shoppingcenter besichtigen, habe ja sonst nichts zu tun. Gut, gibt nix darüber zu meckern, ein Ort wie viele, vor allem viele Menschen, dann fühlt man sich nicht so allein. Schnüff, mir geht es gut, habe anschließend eine Ausstellung über die Wikinger besucht. Na ja, war nicht alleine, viele Besucher um mich herum, hat mehr Freude gemacht als Shoppen gucken. Gibt nix zusagen, allerdings haben die Exponate der Wikingerzeit auch nicht näher gebracht. Die trockene Luft im Museum machte müde, vielleicht lag es daran. Auf der Rückfahrt starrte ich nur Löcher in die Luft, lesen war nicht möglich, die Augen wollten immer wieder zufallen, die Biografie über Melville lockte nicht, obwohl spannend erzählt. Ach, wie öde, kein Witz in Sicht, nix. Warum den überhaupt posten? Keine Ahnung, aus purer Langeweile, denn es ist zu früh um einzuschlafen, weil die Nacht endlos lang sein wird, wache ich dann auf und kann nicht weiter schlafen. Über die Welt palavern bringt auch keine neuen Erkenntnisse, alles geht seinen eigenen Gang, ich habe damit nichts zutun. Mein Einfluss auf irgendetwas beschränkt sich lediglich auf die Nahrungszufuhr. Oh, nix los, ohne Moos ist noch weniger los. Habe eine Tagesticket, könnte, wenn ich wollte nochmal unter die Leute fahren, könnte erst am nächsten Morgen bis um 3:00 damit fahren, durch die ganze Stadt, hin und her, vielleicht im Kreis, nur Rückwärts, das geht nicht. Die Couch klebt an meinem trägen Körper, die Entscheidung ist gefallen. Auf der Couch vor dem Fernseher dösen, das kann bis zum nächsten Morgen gehen, auch ohne Tagesticket. Ach wie öde, immer diese Wiederholungen. Vielleicht paar Kommentare schreiben, nur so zum Zeitvertreib, aber da gibts nix zu sagen, alles langweilig, genau wie ich. Hier noch ein uralter Witz:
Kommt ein Frosch in den Milchladen. Fragt die Verkäuferin: was wünschen sie? Antwortet der Frosch: Quark
Ein zweiter Witz, ebenso alt wie der erste, mehr Witze kenne ich nicht.
Geht ne alte Frau zum Arzt der sagt: Sie haben eine Gürtelrose, die muss operiert werden.
Als die alte Dame nach Hause kommt wird sie gefragt, was denn nun sei? Sie antwortet: ich habe eine Köttel in der Hose, der muss fotografiert werden.
Elend geht die Welt zugrunde und ich mitten drin. Ohne aber auch mit Witz bleibt die Welt in einer tiefen Depression des sich nicht verändern wollen. Stelle fest, wieder mal fest, befinde mich im
Trend, oder? Warum stelle ich überhaupt Fragen, antwortet ja niemand. Genau, die sind alle genauso phlegmatisch wie meine Wenigkeit. That' s it!

Oh, wie peinlich, wollte diesen Schwachsinn löschen und sieh da, es wurde fünf Mal angeklickt. Tut mir leid, echt peinlich, aber andererseits, warum nicht. Blödheit kommt vor dem Fall, das ist eindeutig die schreckliche Langeweile des Nichtstun wollen, warum eigentlich? Wofür schreibt der Mensch, doch nicht für sich alleine, er will ein Publikum erreichen. Nur wenn keines da ist, dann muss er sich selber leid tun. Löschen oder nicht Löschen, das ist nicht die Frage. Eine Post ist eine Post, eine Post, so oder so. Es wurde schon viel größerer Schrott verfasst, also Schrott aller Länder vereinigt euch, gebt der Menschheit eine Chance zu wählen, entweder im Schrott ertrinken oder ihn biologisch entsorgen!

Donnerstag, 25. September 2014

Erinnerung an eine Klassenreisen nach Amrum im analogen Zeitalter


Vor einigen Jahren überreichte meine Mutter zwei Hefter aus meiner Kindheit. Damals war es noch üblich einen Bericht über die Klassenreisen zu verfassen. Hier eine kleine Anekdote aus Amrum, voll im Griff der Pubertät, im Alter von 11 Jahren.
(Anmerkung: "immer" eines meiner Lieblingswörter seit der Kindheit, kann ich immer wieder anwenden,).


Der Mittagsschlaf
Als wir wieder einmal Mittagsschlaf hielten, war es bei uns im Zimmer mucksmäuschenstill, denn wir waren alle in einen Liebesroman vertieft. Plötzlich gab es einen dumpfen Laut, erschrocken schaute ich in Juttas Bett hinauf, dann musste ich lachen, denn Jutta war mit dem Oberkörper zwischen Fensterbank und Bett eingeklemmt. Lachend fragte ich sie:"Wie hast du denn das gemacht?" "Als Ingrid an meinem Bett wippte wollte ich sie kitzeln und dabei flog ich auf die dumme Fensterbank.", antwortete sie lachend. Als sie wieder hochkommen wollte, konnte sie es nicht, denn sie musste immer in unserer Gelächter mit einstimmen, sie sah ja auch zu komisch aus. Also musste Ingrid sie an den Beinen hochziehen. Als Jutta wieder in ihrem Bett lag sagte sie:"Aua, mir tun alle Knochen weh und nur wegen dir Ingrid Salau." Scherzend antwortete Ingrid:" Jawohl mein Mäuschen, ich tu es auch nicht wieder." Wir mussten alle lachen als sie das sagte. Ein paar Minuten. Später kam Frau Eggers und sagte:"Aufstehen, der Mittagsschlaf ist vorbei!" Vergnügt standen wir auf.

Der Mann auf dem Fahrrad
Ein junger Mann mit einer weißen Mütze sauste immer auf seinem Fahrrad am Honigparadies vorbei. Wir dachten uns weiter nichts dabei. Aber er kam immer öfter und blieb vor dem Heim stehen. Sein Kofferradio, das er immer im Arm hielt, stellte er dann auf volle Lautstärke. Da wurde uns doch unheimlich zu Mute. Wir gingen ihm aus dem Weg, denn Frau Eggers hatte gesagt:"Um den Mann müsst ihr euch nicht kümmern, der ist nicht ganz richtig im Kopf. Schaut ihn bitte nicht an. Tut so, als wenn ihr ihn garnicht seht." Wir bemühten uns auch ihn nicht anzusehen, aber ab und an warfen wir doch einen Blick hinüber. Von weitem sah er ganz normal aus. Aber wenn man näher herankam, bemerkte man, dass er ganz große Augen hatte. Er stierte uns immer so komisch an. Manchmal stand er Abends vor dem Heim und flötete ganz unheimlich. Wenn wir es hörten bekamen wir eine Gänsehaut. Zuletzt kam er immer seltener weil er merkte, dass wir ihn gar nicht beachteten. Eines Tages kam er überhaupt nicht mehr.



Karl Krause, Museumswärter




Karl Krause, Museumswärter in der Gemäldegalerie Berlin

Schreibwettbewerb vom Tagesspiegel: Thema Museum
Dezember 2004 (?)

Karl, ein Mann um die fünfzig, grau nicht nur durch seine Uniform, auch sein fahles Gesicht hat sich seiner Bestimmung angepasst. Pflichtbewusst steht er im Raum seiner Bilder und harrt dessen was da kommt. Sein Blick ist stets ins Leere gerichtet, doch so bald sich ein Besucher nur ein paar Zentimeter zu dicht an ein Bild wagt, tritt er in Aktion. Mit tiefer, bestimmter Stimme, weist er den Besucher auf den Sicherheitsabstand hin. Energisch tritt er dem Überschreiter der unsichtbaren Linie gegenüber, schaut mit leerem Blick an ihm vorbei, nur die Stimme zeigt in ihrer Strenge auf die Autorität des Wächters. Keine Jacke darf über dem Arm getragen werden, kein Handy darf klingeln, Karl entgeht nichts. Doch sobald die Aktion vorüber ist, zieht er sich still in eine Ecke zurück und verharrt in seinem undurchdringlichen starren Gebaren, so unscheinbar, als gehöre er wie die Bilder zum Inventar. Sein Wesen scheint zweigeteilt, der Blick in eine Ferne gerichtet und andererseits so nah am Geschehen. Doch nur ich kenne sein Geheimnis, denn es ist unser gemeinsames Geheimnis, dass wir immer wieder neu erleben. Immer dann, wenn wir uns in der Welt der Bilder wiedersehen. Aus dem blassen, unscheinbaren, grauen Mann ist dann ein begüterter, flämischer Kaufmann aus dem Barockzeitalter geworden.

Mein Lieblingsbild in der Gemäldegalerie befindet sich im Raum 8. Es handelt sich um den Winter von Lucas van Valckenborch, aus der Bilderfolge die vier Jahreszeiten, um 1535 entstanden. Im Vordergrund des Bildes, steht ein Fischhändler, der die Fische in große Stücke zerteilt. Die großen Fischstücke scheinen förmlich aus dem Bild zu fallen. Und ich habe jedes mal das Bedürfnis sie vor dem Fallen zu bewahren. Das ist dann der Moment, da ich in das Bildgeschehen eintrete. Die schwarzgekleideten Damen, die in einer Schlange vor dem Verkäufer auf ihren Anteil warten, fangen an zu keifen. Sie sind über mein Verhalten entrüstet, glauben, das ich mich vordrängeln will, wo sie doch schon viel länger hier draußen in der Kälte stehen. Sie pochen auf ihr Vorrecht, als erste den Anteil an den Fischen erwerben zu dürfen. Gekränkt ziehe ich mich von ihrem Redeschwall zurück. Während ich auf der Straße weiter gehe, gerate ich fasst unter einen Schlitten. Der Kutscher versucht die Pferde beiseite zu ziehen, die Peitsche knallt, die Pferde bäumen sich auf, ich springe entsetzt zur Seite und lande fasst auf meinem Allerwertesten. Ja, nur fasst, denn ein galanter Herr, eingemummelt in einem dicken Pelzmantel, fängt mich auf. Ich drehe mich nach ihm um und bin erstaunt, denn er gehört ebenso wenig wie ich zum Bildgeschehen. Erst jetzt bemerke ich, dass ich in einen dicken Wollmantel mit warmer Kapuze gehüllt bin, altertümliche Lederstiefel kleiden meine Füße und ein wärmender Muff schützt meine Hände. Der Herr stellt sich mir als Karl Krause vor. Wir sind zwei Fremde und doch haben wir das Gefühl dazu zugehören. Ich bin etwas irritiert. Wie bin ich hier her gekommen? Was habe ich hier zu suchen? Merkwürdig, sehr merkwürdig. Herr Krause klärt mich auf. Ja, was klärt er eigentlich? Ich verstehe nicht im Geringsten, was er da so von sich gibt. Von wegen Traum, von wegen Zauber der Fantasie. Ich kann wenig damit anfangen! Doch ich spüre die klirrende Kälte des wunderbaren Wintertages, ich rieche und ich schmecke und ich fühle die Gegenwart des Geschehens, auf diesem Platz, in einer flämischen Stadt des 16. Jahrhunderts. Karl hält mich am Arm fest, damit ich auf dem glatten Pflaster nicht ausrutsche. Wir plaudern angenehm und beschließen zusammen Schlittschuh zu laufen. Kufen, werden an die Stiefel geschnallt und schon geht es los. Karl hat das schon des öfteren ausprobiert und gibt mir Tipps, damit ich mich leichter vorwärts bewege. Liebevoll nimmt er mich in den Arm und führt mich übers Eis. Wir grüßen die anderen Läufer freundlich und drehen mit ihnen einige Runden, bis es mir dann doch zu kalt wird. Ich bin diese klirrende Kälte einfach nicht mehr gewohnt. Karl schaut sich nach einer Schenke um, damit wir uns dort aufwärmen können. Ich überlasse mich ganz seiner Führung, schwebe förmlich neben ihm durch die wundervolle alte Stadt.


Plötzlich befinde ich mich im Raum 18, der Gemäldegalerie. Wir sind in Karls Reich angekommen. Sein Lieblingsbild ist die Kindtaufe von Jan Steen, aus dem Jahre 1663. Es heißt : „So de Oude songen, so pypen de Jongen“

Durchgefroren betreten wir den Raum der Schenke. Die Gäste laden uns ein, an der Feier zur Kindtaufe teilzunehmen. Man hilft mir aus dem dicken, warmen Mantel. Die Mutter, die neben dem Kind im Korb sitzt, nickt mir freundlich zu., nachdem ich sie begrüßt habe. Ich schaue mir das winzige Kindlein an und bin gerührt, weil es mich so strahlend anlächelt. Überhaupt geht von dieser Gesellschaft so eine heitere, fröhliche Ausstrahlung aus. Die großen Kinder vergnügen sich ungezwungen, die alten Leute sitzen fröhlich schwatzend am langen Tisch. Es wird gegessen und getrunken. Ich will gerade einen umgekippten Stuhl aufrichten, den die spielenden Kinder umgeworfen haben, da winkt Karl mit einer Handbewegung ab. Er gibt mir zu verstehen, dass es sinnlos ist, weil die tobenden Kinder ihn bald wieder umwerfen werden. So schreite ich auf den langen Tisch zu. Karl ist ein alter Bekannter, das merke ich gleich, denn er wird freudig von den Gästen umarmt. Ich werde den anderen vorgestellt und man lädt mich ein, bei ihnen Platzzunehmen. Ein alter Mann reicht mir einen Becher Wein und einen Teller warmen, duftenden Schmauses. Ich bin hungrig und greife gierig in das leckere Essen und führe es mir zum Munde. Lehne mich satt und zufrieden zurück. Betrachte wohlig das Treiben der spielenden Kinder, während Karl eine Anekdote nach der anderen von sich gibt. Charmant umgarnt er die Damen, die mit erröteten Wangen seinen Ausführungen lauschen. Es gibt keinen Zweifel, Karl ist hier der Mittelpunkt der Gesellschaft. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet und er genießt es sichtlich erregt. Er strahlt galant mit wachen lustigen Augen in die Runde seiner Zuhörer Auch ich kann mich nicht seiner angenehmen Ausstrahlung entziehen. Es ist mir fasst nicht mehr möglich, in ihm den unscheinbaren Museumswärter zu sehen. Ich will es auch nicht, denn auch ich fühle mich unter diesen Leuten sehr wohl und aufgehoben. Das Schreien des Babys lenkt mich vom Geschehen ab. Die Mutter nimmt es aus seinem Körbchen und gibt ihm seine wohlschmeckende Milch aus ihrer Brust. Die Welt scheint heil und geordnet zu sein. Alles hat seinen Platz, es gibt hier keine Einsamkeit, keine Probleme, nur der Genuss und die Freude am Miteinander stehen hier im Mittelpunkt. Doch, es ist Karl, der mich diesen Freuden entreißt. Er fasst mich sanft am Arm:

“Meine Dame, ich muss sie darauf hinweisen, das Museum schließt in wenigen Minuten. Bitte verlassen sie den Saal!“

Das ist absolut brutal, mich so aus der Szene zu holen. Ich bin entsetzt, dass kann doch nicht der gleiche Karl sein, der eben noch mit mir so wunderbar in der Gesellschaft geplaudert hat. Ich schaue ihn verständnislos an. Der Mann, der vor mir steht, hat fasst nichts mehr mit dem lebenslustigen Karl zu tun. Dieses graue, langweilige Etwas von Mann, es ist unmöglich. Und doch, sehe ich nicht da ganz hinten in seinen ausdruckslosen Augen, ein kleines lustiges Aufblitzen? Ja, er ist es, aber psst, es muss unser Geheimnis bleiben. Ich verstehe, ich komme nächste Woche wieder und dann werden wir uns erneut in den Bildern begegnen. Ganz bestimmt, ich bin mir da völlig sicher!

Mit dieser Gewissheit verlasse ich das Museum und freue mich schon auf den gemeinsamen Genuss des Miteinanders in der flämischen Gesellschaft des Barockzeitalters. Nun, es könnte auch einmal ganz woanders stattfinden. Vielleicht sehen wir uns in der Renaissance wieder. Ich überlasse es Karl, wohin er mich beim nächsten Mal entführen wird. Soll ich es ihm wirklich alleine überlassen? Nein, ich habe genügend Zeit mir selbst etwas zu überlegen, bis zur nächsten Woche in der Gemäldegalerie.

                                                                                          ( 8067 Zeichen mit Leerzeichen )

Montag, 22. September 2014

Atemlos, 1. Schreibversuch von 2002

Atemlos

Als Otto sich umschaute war niemand zu sehen. Langsam ging er weiter, achtete genau auf den Klang seiner Schritte. Wieder erschien es, als würde ihn jemand folgen. Er ging schneller, begann zu laufen. Laut hallten seine Schritte von den Wänden der Häuser zurück. Otto begann zu keuchen. Er war das schnelle Laufen nicht gewöhnt. In seinem Beruf brachte er die meiste Zeit im Sitzen zu. Er wagte nicht sich nochmals umzudrehen, sondern rannte weiter, einfach weiter und bog um die Ecke. Der Hall der Schritte eines Verfolgers war noch immer zu hören, aber Otto wusste, dass er sein Tempo nicht mehr halten
konnte. Er brauchte eine Verschnaufpause. Er konnte sich nicht erklären, warum er immer mehr davon überzeugt war, sein Verfolger wollte ihn töten. Ihm fiel auch kein Grund ein, warum irgendjemand ein Interesse an seinem Tod haben könnte. Allein die Angst krallte sich in ihm fest, ließ ihn weiterlaufen, obwohl sein Herz schmerzhaft pochte und ihm vom Laufen übel war. Vielleicht  bildete er sich nur alles ein. Hinter ihm war womöglich wieder alles leer, wenn er zurückblickte. Aber er traute sich nicht. In ihm wuchs allmählich die feste Überzeugung , dass hinter ihm jemand herlief. Es schien sicher, dass er ihm nach dem Leben trachtete. Atemlos bog er um eine Ecke ohne sich umzuschauen. Als er die Mauer am Ende der Straße sah erschrak er. In ihm begann es zu stechen, seine Brust schien zu zerspringen. Nun waren es vielleicht noch 100 Meter bis er die Mauer erreicht hatte. Sie war nicht besonders hoch, aber Otto sah keine Möglichkeit dort hinüber zu kommen. Während er sich der Mauer näherte wurde er langsamer. Die Schmerzen waren verschwunden, sein Atem schien wieder frei, gleich war er da. Nur noch wenige Meter trennten ihn von seiner Wohnungstür  als hinter ihm jemand mit keuchender Stimme brüllte:
"Halt! Verdammt noch mal, nun bleiben sie doch endlich stehen!"
Otte erschrak und blieb stehen, drehte langsam den Kopf nach hinten und schaute in das erschöpfte Gesicht einer ihm fremden Person.
"Was wollen sie von mir? Warum verfolgen sie mich?", fragte Otto ängstlich. Max, der Verfolger blieb atemlos stehen, holte tief Luft und begann entrüstet:
"Sagen sie mal, fehlt ihnen nicht etwas? Sie haben ihr Schlüsselbund verloren. Die ganze Zeit renne ich hinter ihnen wie ein Blöder hinterher und sie Idiot bleiben nicht stehen."
Otto war erleichtert und lächelte den Fremden freundlich an:
"Bitte entschuldigen sie, aber ich dachte sie wollen mich überfallen."
Max grinste und übergab den Schlüssel.

Ja, ja, ziemlich grausiger Textstil, aber ich stehe dazu. Meine allererste Kurzgeschichte seit meiner Kinder und Jugendzeit. Vielleicht veröffentliche ich aus der frühen Zeit, einige Berichte aus den Klassenreisen nach Amrum und in den Harz, vielleicht, mal sehen. Ach was, warum nicht.
Nächste Post auf diesen Blog, meine zeichnerische Begleitung einer grausigen Weiterbildung.

Sonntag, 21. September 2014

Mit Fahrstuhl & Taxi zum Erfolg


 Schneller geht immer

2. Versuch einer Kurzgeschichte von 2006

Das Vorstellungsgespräch findet um 11:30 statt, Martha ist in Eile. Endlich ein Lichtblick, die Möglichkeit einer Festanstellung in greifbare Nähe gerückt. Ein Blick in den Spiegel, die kurzen Haare frisch gekämmt, das Kleid sitzt, kaschiert die Fülligkeit der kleinen Figur. Ein Blick auf die Uhr 10:55. Hastig den Mantel von der Garderobe gezogen, die Haustür zugezogen und im nächsten Moment im Fahrstuhl stehend den Knopf für das Erdgeschoss gedrückt. Das alte Monstrum aus früher Zeit setzt sich in Bewegung, ruckartig wird jedes Stockwerk abgeklappert. Viel zu langsam, der Ungeduld kann es in der Eile nicht schnell genug gehen. Martha will den Job, will die letzte Chance wahrnehmen. Laut Anzeige wird nach einer älteren Dame für den Verkauf von Damenbekleidung XXL gesucht. Es ist die Chance aus der Hartz IV Falle zu entkommen. Walter ist tot, sie waren nicht verheiratet, lebten 20 Jahre in Wilder Ehe, keine Witwenrente und ein Rentenanspruch liegt in weiter Ferne. Das Erdgeschoss ist erreicht, die Hand schon am Griff der Tür, da macht das Monstrum einen Ruck und setzt auf den Boden auf, rums ein Stück tiefer als die Tür. Martha rüttelt an der höher gelegenen Tür, doch sie bleibt verschlossen. Nichts lässt sie mehr von Innen öffnen. "Aus, alles vorbei." Martha schaut auf das Handgelenk 11:00, der Weg in den Laden dauert mit der Tram 20 Minuten. "Aus und für immer vorbei." Die letzte Chance vom Fahrstuhl gestoppt, eingesperrt, gefangen, von der Außenwelt abgeschnitten. "Dieses verdammte Monster bestimmt über mein Schicksal, rächt sich hämisch rächt es sich dafür, weil ich sonst die Treppe nehme. Ich will hier raus!" Laut schreit sie ihre Wut heraus, doch die Verzweiflung lässt nur ein zartes Stimmchen hören. " Hallo, hört mich jemand? Ich will hier raus!" Nichts, alles bleibt still, 11:05. "Nein, das darf nicht vorbei sein! Nein! Die Augen suchen das Licht der Straße, die Hände klopfen und rütteln, nichts passiert. Die Augen suchen nach einer Lösung und da ist er der  Notfall Knopf. Hastig berührt der Zeigefinger den weißen Knopf. Ein schriller Ton macht auf ihre Not aufmerksam. Lang und fordernd, Drilll, Drillll.... Nichts geschieht, wieder und wieder setzt sich der Finger auf den Knopf. 11:10 die Hoffnung schwindet. Plötzlich ein Geräusch von Außen ein Klopfzeichen. " Hallo, ist da jemand? Holen sie mich hier heraus!" " Immer mit der Ruhe," antwortet der Hausmeister und zückt den Vierkantschlüssel. Die Tür öffnet sich und eine helfende Hand ermöglicht den Ausstieg. Das Leben hat Martha wieder, hastig ohne sich zu bedanken rennt sie auf die Straße reißt die Arme in die Höhe  und siehe da, ein Taxi hält.
"Na, Kleene Frau, wo sollst den hin?"
"Müllerstraße 35, schnell bitte!"
"Immer mit der Ruhe, sind ja janz schön aus de Puste, wollen wohl Shoppen gehen."
Mathas Herz klopft bis zum Hals, sie muss es schaffen. "Können sie nicht etwas schneller fahren? Habe es eilig, einen wichtigen Termin, bitte!"
" Schneller is nich. Ich fahr so wie det geht, nich anders."
Martha beugt sich leicht rüber um den Tacho zu erkennen.
"Eh, wolln se mir ins Lenkrad greifen? Bleibn se schön uff ihrer Seite."
"Gehts nich ein bisschen schneller, 50 dürfen sie doch."
"Immer langsam mit die Pferde, Kleene Frau. Ich bin de Fahrer, det is mein Taxi."
"Hören sie, ich muss spätestens um 11:30 in der Müllerstraße sein, also Bitte!"
"Nee, nee, so jet det nich. Wat ham se denn für Hummeln unterm Hintern? Wat kriegen se denn für'n roten Kopf?"
"Was hat denn mein Kopf damit zu tun, dass sie etwas schneller fahren sollen. Hören sie, ich habe es wirklich eilig."
"Dat is en Verkehr heutzutage. Früher, da war det alles anders. Also meen Freund der Alfred sachte immer: Erwin, sachte er, Erwin lass dir nich unterkriegen."
"Hörn sie! mich interessiert ihr Erwin nicht, ich will nur das sie zügig fahren. Ist das denn so schwer zu begreifen?"
"Ja, ja, Alfred is nu schon ne Weile unter die Erde, die jute Seele. Freundschaft, det jibts heute unter die Leute nich mehr."
"Bitte, sie dürfen mindestens 50 km fahren, Bitte!!!"
"Wat de Leute det so eilig habn. Alfred war de Ruhe selbst, Jott hatn Seelig. Na, nach oben kommste schneller als de denkst. Det jet ratz fatz. Ehrlich, war ne nette Beerdigung."
"Wenn se nüsch uff de Stelle det Gaspedal drücken, globen se mir, treffen se ihn schneller als ihnen lieb is!"

Eine Kurzgeschichte als Aufgabe des Literaturkurses. Aus heutiger Sicht eine kleine Geschichte die nichts von Einzigartigkeit hat. Bestimmt oft erzählt und vorhersehbar, hat trotzdem Spaß gemacht, gehört zu mir und meinen späten Anfang. Vier Jahre zuvor schrieb ich die allererste Kurzgeschichte in einer Weiterbildung zum Kulturmanagerin (nichts ist grausamer als sich mit dem Markt zu beschäftigen, keine Ambitionen und keinerlei Chancen gehabt für diesen Beruf ) : Atemlos. Im nächsten Post. Chaotisch, wie ich manchmal bin, fehlt mein Allererster lyrischer Reisebericht von 2002? Die gemalten Bilder und die erste Textseite habe ich wiedergefunden, es fehlt der zweite Texteil, wo hat er sich versteckt, habe alle Schubladen und Schränke durchwühlt, sicherlich war ich etwas zu hektisch bei der Suche. Hoffe ihn bald zufinden, dann wird er gepostet. Leider unterließ ich es aus Faulheit einen dritten Teil zuschreiben, dann wäre es Komplet gewesen. Heute geht es nicht mehr, die Stimmung ist dem Vergessen anheim gefallen. Alzheimer oder nur Vergesslichkeit aus purer Trägheit. Gut, es war nur eine erste Übung für meinen ersten Roman "Beziehungstress" obwohl er gänzlich anders ausgefallen ist, vielschichtig, lustig und und und. Nein ,nein, der Roman entstand erst nach dem Literaturkurses.
So werden die Seiten gefüllt um dem Anspruch auf tägliches Posten gerecht zu werden. Immer öfter, nicht täglich, aber doch beinahe täglich. Wie gehabt, ein Hoch auf das Geschwafel.

Spiel mit Weltliteratur



         Orlandos Monolog über das Kätchen von Heilbronn











Kätchen, du machst mich wahnsinnig,
Deine Tugendhaftigkeit stinkt zum Himmel,
Du schlägst mich mit Deiner Wesensart an die Wand,
Zeigst mir Deine nackte Reinheit,
Deine Gradlinigkeit.
Deine Anwesenheit  lässt mich meine Unvollkommenheit als Mensch spüren.

Kätchen, für Dich wandle ich mich zur tugendhaften Frau,
Damit Du in meinem Spiegelbild Dein verdammtes Gutsein als das erkennst, 
Was es in Wirklichkeit ist. Die Langeweile in der Gestalt einer unbefriedigten Frau.

(Bild 2014, Text 2006)
Spontan entstandener Text nach einer Aufgabenstellung eines Literaturkurses. Jeder Teilnehmer nahm sich einerLiteraturfigur an, die dann auf eine andere Figur mit einem kleinen Text reagieren sollte. Meine Wahl fiel auf Orlando und eine Nachbarin entschied sich für das Kätchen.
Voller Inbrunst, an Sheakspear denkend, trug ich meinen Text gut betont vor. Stille, die Teilnehmer starrten mich an, warum? Oh, das Kätchen sitzt im Rollstuhl, hatte ich völlig vergessen. Schnell bemühte ich mich um eine Erklärung:"Habe natürlich nicht Dich gemeint, sondern nur das Kätchen." Meine Nachbarin lächelte fröhlich, freute sich, sie hatte das auch so verstanden. Ich hatte sie als Person wahrgenommen nicht als Behinderte. 











Dienstag, 16. September 2014

Free Download

Hatte mein erstes E-Book zurückgezogen weil es keine Nachfrage gab. Nun habe ich, aus purer Langeweile, gegooglt und stellte erstaunt fest, man kann es Free Downloaden. Eine neue erst 150 Tage alte Plattform, die Filme, Software und Bücher freigibt, nur für Mitglieder, soll zu Amazon gehören. Hm, habe niemals meine Einwilligung dafür gegeben, wie kann so etwas passieren? Bedeutete mein Rückziehung des Buches automatisch, dass es für jedermann frei gegeben wird? Gut, nach dem ersten Schock, was soll es auch, wozu die Aufregung, mein geistiges Eigentum geklaut und steht nun frei zur Verfügung. Ich liebe auch Bücher die es umsonst gibt. Immerhin, schon 1000 oder weniger Downloads und eine Bewertung von 111 Lesern, schrecklich, im Vergleich zu mieseren Büchern bekam mein Buch auf einer Skala von 10 eine 8. Verstehe allerdings nicht warum mein Buch ein Mal 420 Seiten hat und dann wieder 295 Seiten. Hat da jemand meine Texte verändert? Nun es ist geschehen, Geld für einen Anwalt habe ich nicht, warum auch klagen, interessiert ja sowieso niemand. Komisch auch das mein Cover nicht zur Verfügung steht, nur eine einfache PDF Datei. Vielleicht  werde ich "Dienstag Dialog mit der Worterkennung"bei Smashwords
Für 2 Cent anbieten lassen. Wenn jeder für ein Download meines Buches 2 Cent bezahlt hätte = 2000 Cent. Stelle mir gerade vor es wären 500 000 Downloads. Übe das positive Denken, soll gut gegen Depressionen sein. Weigere mich allerdings anzuerkennen, dass ich darunter leide, finde es ganz normal, ab und an eine weniger glückliche Laune zu haben. Zuviel Positives Denken richtet hoffentlich keinen Schaden an, oder doch? Verschleiert es eine kritische Denkweise? Dass kann nicht besonders gesund sein um das Leben in der heutigen Zeit zu Meistern. Obwohl, wer lebt heutzutage schon mit einem kritischen Bewusstsein, viel zu anstrengend. Das Leben mit all unserem Wissen oder vermeintlichen Wissen erscheint von Stunde zu Stunde komplizierter, der Mensch kommt da nicht mehr mit, er entwickelt sich in seinem Denken wieder in die Steinzeit zurück. Das World Wide Web liefert eindeutig den Beweis dafür. Lesen bildet nicht immer, aber mein Buch bildet eine freie Wahl.

Freitag, 12. September 2014

Lust auf Vorfreude

Vorstellungskraft: Weihnachtsgebäckbild

Luisen Printen.                                 Spritzgebäck.                     Lebkuchenweihnachtsmann
                         Kringel.        Zimtschnecken.          Pfefferkuchen
                                   
                                        Elisenkuchen.  Und und.        Und.....?.....?..

Der Schreck ist verflogen, das wechselnde Warenangebot an Weihnachtsartikel weckt mündige Neugier. Der Gedanke an Luisen Printen, an Lebkuchenherzchen, an Weihnachtsgebäck verlockt den Appetit zum Kaufen. Heute am Freitag habe ich es noch ignoriert, aber die Bilder, der Geschmack, der Duft drängt ins Bewusstsein, will endlich befriedigt werden. Sommer? Sommer war gestern, heute klingelt das Wochenende an der Tür der Bedürfnisse, weckt den Geschmack nach Weihnachtsgebäck und entsprechendes Dekor, alles schon nett in den Läden dekoriert. Die Lust auf das entfernte Ereignis will mit Dekor befriedigt werden. Ab in den Keller und die Deko hervorgeholt. Die Weihnachtspyramide, arg ramponiert, wird aufgefrischt und ins Regal gestellt. Die Freude auf eine sinnvolle Beschäftigung will heraus, endlich wieder eine Tätigkeit, die von der Couch befreit und der Freude ihren Lauf lässt. Freude hier, Freude dort, Freude an fasst jedem Ort. Bin ich glücklich, so unbeschreiblich glücklich, die Sinnsuche hat fürs Erste ein Ende gefunden. Lieber ein Ende ohne Schrecken als endlose, graue Langeweile. Weihnachten könnte, vielleicht so schön sein, jedenfalls für diesen Augenblick der Vorfreude auf einen niemals eintretenden Glücksfall eines gelungenen Festes. Ach herrje, da hat sich wieder der Zweifel, teuflisch wie er ist, eingeschlichen. Der harte Kampf um Zufriedenheit will gewonnen werden.
                                                   Ich Willlllll Gewinnnnen!!!!
Oh hab ich ein Appetit, warum habe ich das leckere Gebäck am heutigen Freitag ignoriert?

Donnerstag, 11. September 2014

9/11



Nichts ist so öde wie nichts zu erleben. Bin durch die Stadt gefahren, mit der S-Bahn und Tram, hin und zurück. Musik im Ohr und die Biografie über Melville auf dem Schoß. In den Augenblicken während der Fahrt in der Masse der Fahrgäste, gibt es keine Ablenkung vom Lesen. Gut fürs Hirn, es frißt sich durch den Text, Seite für Seite. die Freude ist groß, die Mitte des Buches nicht mehr weit. Natürlich, es geht um den Inhalt nicht um den Marathon der Seitenbewältigung. Zuhause angekommen ruht das Buch in der Tasche, die Couch ist zu verführerisch um darauf zu lesen. Die bewegten Bilder, das Geplappere der Fernsehsendungen sind so herrlich einlullend, die Augenlider fallen langsam, ganz langsam im Singsang des Geplapper zu. Der Mittagsschlaf zieht sich bis zum frühen Abend hin. Nun bin ich wach, die Motivation des Lesens ist verloren gegangen. Schuldbewusst mahnt das Gewissen Aktivität an. Nun, dann Schwafel ich hier im Blablabla....

Nein, so geht das nicht! Heute, am 11.September, dem 9/11 kommen die Erinnerung an ein unbegreifliches Ereignis wieder, damals live am Bildschirm mit erlebt. Kein Horrorfilm nimmt es mit der Grausamkeit der Realität auf, damals nicht und heute nicht. Gedenken wir an all die vermeidbaren Opfer einer fanatischen Auffasung, egal ob im vorgeschobenen göttlichen Namen, der doch nur einer krankhaften Allmachtsfantasie entspringt, die explosionsartig aus einem verletzten Ehrgefühl herrührt, die nur in der gewalttätigen Machtausübung ein Ventil findet. Sicher sind die Probleme komplexer, vielschichtiger oder doch nur aus der ewigen Menschlichen Dummheit entsprungen. Solange es Waffen gibt und skrupellose Menschen ihr Geschäften nachgehen, wird es immer wieder eine große Zahl Opfer und Täter geben. Die Grenzen vermeintlicher politischer Ziele verschwimmen mit den kriminellen Machenschaften, stehen denen im Nichts nach.
Es lebe das gut Geschäft mit der großen Auswahl an allen möglichen Kriegsgeräten, die jenseits meiner Vorstellungskraft stehen.

Montag, 8. September 2014

Gedanken zum Montag

Wahnsinn, diese neuen Riesen Flachbildschirme. Oh, ich möchte gerne einen haben, leider viel zu teuer. Stelle mir vor er nimmt die ganze Wand ein, so dass ich in den gestochen scharfen Bilder eintauche, verschwinde, mit der digitalen Welt eins werde. Das ist Zukunft, Matrix Reloaded, unser aller Leben, unsere Kultur gespeichert in der virtuellen Welt. Praktisch, keine Krankheit, die Schmerzen verursacht, keine Nahrung die Dick und Krank macht, ein endlose Virtuelle Existenz ohne Kriminalität ohne Krieg ohne Liebe. Endlich, die schöne, heile Welt, die absolute Langeweile des digitalen Seins, dem nur der Zahn der Zeit ein Ende setzt, da der Mensch verschwunden ist. Nein, nein, die Reparatur wird von Maschinen geleistet, einer Unendlichkeit steht wenig entgegen, bis die Energie der Sonne erloschen oder irgendwelche Kometen der Erde das endgültige Aus bescheren. Schöne Bescherung, täglich grüßt das Weihnachtsfest für diejenigen, die es feiern wollen. Ach, was schreib ich da für einen Quatsch, um der Langeweile zu entfliehen werden die entsprechenden Konflikte von den selbständig agierenden Computer programmiert, siehe Matrix. Stanislaus Lem hat es schon vor Jahrzehnten beschrieben. Was fange ich nur mit diesem Wissen an, das letztlich kein Wissen ist, nur Vermutungen einer ausgeleerten Fantasie, die im Stumpfsinn ihre Berufung gefunden hat.
Die Sonne scheint, Zeit hinauszugehen und der Realität ins Auge schauen, bisschen staubige Luft schnuppern,  das Glück suchen in der großen, weiten Warenwelt. Shopping, Shopping, Shopping....Wir haben Monatsanfang, es ist mal wieder Montag, oh Graus, bald geht mir das Geld wieder aus. Dem Leben bleibt fasst nichts erspart, glücklich sind die, die in den Shoppingcenter ihre Bestimmung finden. Wenn wir etwas im Überfluss haben, dann sind es die unzähligen Kauftempel, egal wo, überall auf der Welt das gleiche Angebot. Schöne neue Welt, zwischen Flachbildschirm und Einkaufszentrum pendeln diejenigen, die es sich leisten können. Oh, was für ein unbeschreibliches Glücksgefühl, am Monatsanfang gehöre ich dazu. Lächelnd geht die Welt zugrunde, verschwindet vertrauensvoll im World Wide Web. Das Leben ist ja so schön, mein Glück so unbeschreiblich reich wie das Warenangebot eintönig ist.

Schlechtes Deutsch, ständig drängt das IST vor. Die Stille der Sprachlosigkeit gipfelt im Kaufrausch der Gedankenlosen. Diese Sätze, geboren aus der Langweile eines ereignislosen Lebens, sind inhaltslos. Auf Los geht's los, immerhin die Freiheit der Entscheidungslosen. Freiheit der Traum aller Looser, die im Konsumieren die eigene Unfähigkeit mit Schweigen überdecken. Oh, das könnte ich unendlich weiter spinnen, schreiben, labern, immer so weiter, aus purer Langweile, hat etwas von Entspannungsyoga. Eine Geschäftsidee? Ach, lieber nicht, obwohl der Krimi im Fernsehen bringt es auch nicht. Lesen? Moby Dick lesen, in dreifacher Ausführung, parallel die englische Ausgabe, die Übersetzungen von Matthias Jendis und Friedhelm Rathjen. Mammut Aufgaben werden am Besten verschoben, viel zu anstrengend, obwohl der Vergleich interessant scheint. Nein lieber später, irgendwann oder garnicht. Langeweile hat etwas von Gemütlichkeit, einfach in die Decke auf der Couch kuscheln und vor dem Flachbildschirm dösen, vielleicht von einer Weltreise zu zweit träumen. Ach, Müßiggang hat etwas angenehm langweiliges



Sonntag, 7. September 2014

Am Samstag ruderte ein Wikinger Schiff auf der Spree

Am Samstag kam ein Wikinger Schiff auf der Spree aus Dänemark um eine Ausstellung zu huldigen. Ein nicht alltägliches Ereignis, wann sieht man schon Ruderer auf einem Wikinger Schiff, die auf dem Fluß schwitzen, die vielen Brücken passieren, schnell da sind, kurz anlegen um dann weiter rudern. Schwups sind sie wieder weg, das war es dann. Das Schiff wirkt klein und harmlos, vielleicht liegt es daran, das Segel und Mast Mittschiffs verpackt lagen. Vielleicht lag es auch daran, das die Wikinger, Dänen wenig grausames an sich hatten. Gut, das wars dann.


 

Freitag, 5. September 2014

Worte, Sätze, Wiederholende Geschichten....


Was hat mich heute bewegt? Nichts, wie immer, aber eine Veröffentlichung gehört zu meiner selbstauferlegten Pflicht. Gut, nicht immer, aber immer öfter, täglich etwas schreiben.

Nun schaue ich täglich bei Google+ vorbei und da stört mich eine Person, nur ein Gesicht im Kästchen und das obligatorische Hinzufügen. Warum bleibt der Mann aus Indien immer oben bei den ersten Beiträgen stehen, rückt nicht nach unten. Versteh ich nicht, er kann mir doch Folgen, warum muss ich immer Opfer sein. Vielleicht wurde mein Account gehackt? Wow, bin ich wichtig, könnte ihn ja mal anklicken und dann? All meine unwichtigen Beiträge, Fotos und Mails werden? Oh, was denn, wie denn, warum eigentlich Ich? Gut, nein nicht gut, dummerweise hat sich dieses Gesicht in mein Gedächtnis eingebrannt, ist ja bei jedem Aufrufen der Beiträge penetrant sichtbar. Google, bitte entfernen, kann nichts damit anfangen! Kleiner Aufreger am Rande, ach ja, bitte auch keine hässliche, Dilettanten Kunstwerke mehr, sie sind nervig und beleidigen mein ästhetisches Auge. Bitte, jeder hat das Recht auf Veröffentlichung, aber bitte nicht bei meinen anderen mehr oder weniger interessanten Beiträge, denen ich gerne folge. Mal abgesehen von den Hirnrissigen Kommentaren einiger User, jeder so wie es ihn glücklich macht, versuche mich in Toleranz, nehme es müde hin. Andererseits, wenn die Langeweile in eine tiefe Litanei übergeht lese ich die Kommentare und schon regt sich das Gemüt, entwickelt kurze Anzeichen von Lebendigkeit.

Das Leben kann manchmal schön sein, besonders wenn die Sonne milde lächelnd ihre Wärme in die kalte Wohnung abgibt. Leider wird es zu früh Dunkel, der Blick hinaus bleibt leer. Ab und an erhaschen die Augen das Licht vorbeifahrender Scheinwerfer, mehr nicht. Ein Lichtblick, der Flachbildschirm und sein enormer Stromverbrauch, der wiederum verursacht Kopfschmerzen und die Frage nach den Kosten und deren Finanzierung dringt kurzzeitig ins Gedächtnis um dann schnell von den mehr oder weniger öden Spielfilmen abgelenkt zu werden.
Das Leben ist schön, manchmal, selten, ab und an hier mal dort, alle paar Wochen. Positives Denken kann das Sterben hinauszögern, vorausgesetzt die Gesundheit denkt positiv. Das Leben ist so schön und die Nachrichten erscheinen in einem so rosigen Licht. Oh und der Kühlschrank voller Leckereien macht glücklich, so unbeschreiblich fröhlich bis zum Platzen des Völlegefühls eines rundlichen Bäuchleins.

Dienstag, 2. September 2014

Dienstag ist ein schöner Tag, ein blutiger Tag

Ohne Fleiß kein Preis? Okay, ich bemühe mich, will etwas Posten, denn Dienstag ist ein guter Tag. Ja, ja, die Depression, wenn es denn eine ist, lacht mit der Sonne um die Wette. Obwohl ab und an von Wolken verdeckt, bleibt die Fröhlichkeit unbeirrt. Das sonnige Gemüt blüht auf, doch oh Schreck, die Kreativität ist weg. Das Leben ist hart, das Schreiben mühsam, der Inhalt lahmt.
Pause, fließt nichts, gute Laune ist schlecht, hinderlich beim Suchen nach der ultimativen Kurz-kurz- Geschichte. Schwafeln, gut, dann eben Schwafeln ohne Inhalt, ohne Belang, wie immer, einfach nur dumm dreist Schwafeln. Damit werden unendlich viele Zeilen gefüllt, vielleicht kommt ja noch irgendwas....... Nein, nichts, oh, jetzt bin ich aber traurig. Klappt auch nicht, bin fröhlich gestimmt. Wie kann ich diese verdammte Fröhlichkeit nur los werden. Klappt nicht, habe aus unerfindlichen Gründen gute Laune, liegt wohl am milden Wetter, an der lieben Sonne, die zwischen den Wolken die farbigen Blätter der herbstlichen Bäume anstrahlt, so dass diese allerliebst in ihrer Farbenpracht um die Wette strahlen, einfach schön, nur schön. Ohne Anspruch auf Qualität schwafeln, nur schwafeln, dass hat etwas von einer Leichtigkeit, eine Entspannung, allein durch das milde Wetter hervorgerufen, ach wie schön.

Ach, wie grausam, Nachrichten sehen, und gleichzeitig über die Leichtigkeit des Seins schreiben, passt nicht zusammen. Die Welt ist aus den Fugen und ich habe gute Laune im Angesicht der vielen Todesnachrichten. Einzig eine kurze Schockstarre über das gehörte, da wurde wieder einer geköpft. Schrecklich, all diese Taten, die täglich über die Medien in die heile private Welt dringen. Sie riechen nicht, sie sind nur flache Pixel Bilder und doch sterben Menschen auf brutalste Weise. Können wir einfach nur zuschauen, glauben es wird uns nicht treffen? Hilflosigkeit ist keine Lösung, wer stillhält und die Augen schließt ist selbst ein Opfer. Wie schön der Satz:" Stell die vor, es ist Krieg und keiner geht hin." Ach, wenn das Leben doch so einfach wäre. Es ist nicht unser Krieg, aber wir stecken mitten drin. Um dem ein Ende zu machen bedarf es des gemeinsamen Handelns der Weltgemeinschaft. Schöne Aussicht, klingt naiv, zu einfach, die Realität sieht leider anders aus.
Vielleicht muss es so sein, dem Planeten geht es schlecht, ohne Menschen wäre er besser dran.  Wir
haben eine Ahnung, fühlen es, schließen die Augen und gehen blind hindurch, wodurch, wohin?

Was hat sich gegenüber früheren Gräueltaten verändert? Eigentlich nicht viel, nur die Welt ist enger zusammengerückt, die Grausamkeiten sind via Bilder sichtbar, gleichzeitig wahrnehmbar. Sind wir empfindlicher geworden, hat uns die vermeintliche Sicherheit eines Friedens eingelullt? Denke ich an die vielen Hungerkatastrophen, die wir im Fernsehen miterlebten, wo wir eifrig spendeten um unser Gewissen zu beruhigen, haben sie uns so bewegt, geschockt? Kann mich nicht mehr erinnern.  Es liegt an meiner Wahrnehmung: ich habe viel zu viel Zeit, um mich dem Luxus des Gedanken machen hinzugeben. Es liegt an meiner Langeweile, die sich am Elend der anderen eine Betroffenheit leistet ohne sich wirklich mitverantwortlich zu fühlen. Das schlechte Gewissen, da haben Menschen nur die
 eine Hoffnung, das wir die sogenannte erste Welt mit all dem Reichtum, schützend eingreifen. Dank der Medien sind wir zeitnah dabei, sprechen die Hilfesuchenden uns direkt an, hoffen auf einen rettenden Strohhalm, die westliche Welt.
Befinden wir uns auf einer neuen Entwicklungsstufe, hin zu einer globalen Gesellschaft in der die Verantwortung gerechter verteilt und die Menschen besser geschützt leben können? Wenn ja, dann gibt es eine Zukunft.