
Schneller geht immer
2. Versuch einer Kurzgeschichte von 2006
Das Vorstellungsgespräch findet um 11:30 statt, Martha ist in Eile. Endlich ein Lichtblick, die Möglichkeit einer Festanstellung in greifbare Nähe gerückt. Ein Blick in den Spiegel, die kurzen Haare frisch gekämmt, das Kleid sitzt, kaschiert die Fülligkeit der kleinen Figur. Ein Blick auf die Uhr 10:55. Hastig den Mantel von der Garderobe gezogen, die Haustür zugezogen und im nächsten Moment im Fahrstuhl stehend den Knopf für das Erdgeschoss gedrückt. Das alte Monstrum aus früher Zeit setzt sich in Bewegung, ruckartig wird jedes Stockwerk abgeklappert. Viel zu langsam, der Ungeduld kann es in der Eile nicht schnell genug gehen. Martha will den Job, will die letzte Chance wahrnehmen. Laut Anzeige wird nach einer älteren Dame für den Verkauf von Damenbekleidung XXL gesucht. Es ist die Chance aus der Hartz IV Falle zu entkommen. Walter ist tot, sie waren nicht verheiratet, lebten 20 Jahre in Wilder Ehe, keine Witwenrente und ein Rentenanspruch liegt in weiter Ferne. Das Erdgeschoss ist erreicht, die Hand schon am Griff der Tür, da macht das Monstrum einen Ruck und setzt auf den Boden auf, rums ein Stück tiefer als die Tür. Martha rüttelt an der höher gelegenen Tür, doch sie bleibt verschlossen. Nichts lässt sie mehr von Innen öffnen. "Aus, alles vorbei." Martha schaut auf das Handgelenk 11:00, der Weg in den Laden dauert mit der Tram 20 Minuten. "Aus und für immer vorbei." Die letzte Chance vom Fahrstuhl gestoppt, eingesperrt, gefangen, von der Außenwelt abgeschnitten. "Dieses verdammte Monster bestimmt über mein Schicksal, rächt sich hämisch rächt es sich dafür, weil ich sonst die Treppe nehme. Ich will hier raus!" Laut schreit sie ihre Wut heraus, doch die Verzweiflung lässt nur ein zartes Stimmchen hören. " Hallo, hört mich jemand? Ich will hier raus!" Nichts, alles bleibt still, 11:05. "Nein, das darf nicht vorbei sein! Nein! Die Augen suchen das Licht der Straße, die Hände klopfen und rütteln, nichts passiert. Die Augen suchen nach einer Lösung und da ist er der Notfall Knopf. Hastig berührt der Zeigefinger den weißen Knopf. Ein schriller Ton macht auf ihre Not aufmerksam. Lang und fordernd, Drilll, Drillll.... Nichts geschieht, wieder und wieder setzt sich der Finger auf den Knopf. 11:10 die Hoffnung schwindet. Plötzlich ein Geräusch von Außen ein Klopfzeichen. " Hallo, ist da jemand? Holen sie mich hier heraus!" " Immer mit der Ruhe," antwortet der Hausmeister und zückt den Vierkantschlüssel. Die Tür öffnet sich und eine helfende Hand ermöglicht den Ausstieg. Das Leben hat Martha wieder, hastig ohne sich zu bedanken rennt sie auf die Straße reißt die Arme in die Höhe und siehe da, ein Taxi hält.
"Na, Kleene Frau, wo sollst den hin?"
"Müllerstraße 35, schnell bitte!"
"Immer mit der Ruhe, sind ja janz schön aus de Puste, wollen wohl Shoppen gehen."
Mathas Herz klopft bis zum Hals, sie muss es schaffen. "Können sie nicht etwas schneller fahren? Habe es eilig, einen wichtigen Termin, bitte!"
" Schneller is nich. Ich fahr so wie det geht, nich anders."
Martha beugt sich leicht rüber um den Tacho zu erkennen.
"Eh, wolln se mir ins Lenkrad greifen? Bleibn se schön uff ihrer Seite."
"Gehts nich ein bisschen schneller, 50 dürfen sie doch."
"Immer langsam mit die Pferde, Kleene Frau. Ich bin de Fahrer, det is mein Taxi."
"Hören sie, ich muss spätestens um 11:30 in der Müllerstraße sein, also Bitte!"
"Nee, nee, so jet det nich. Wat ham se denn für Hummeln unterm Hintern? Wat kriegen se denn für'n roten Kopf?"
"Was hat denn mein Kopf damit zu tun, dass sie etwas schneller fahren sollen. Hören sie, ich habe es wirklich eilig."
"Dat is en Verkehr heutzutage. Früher, da war det alles anders. Also meen Freund der Alfred sachte immer: Erwin, sachte er, Erwin lass dir nich unterkriegen."
"Hörn sie! mich interessiert ihr Erwin nicht, ich will nur das sie zügig fahren. Ist das denn so schwer zu begreifen?"
"Ja, ja, Alfred is nu schon ne Weile unter die Erde, die jute Seele. Freundschaft, det jibts heute unter die Leute nich mehr."
"Bitte, sie dürfen mindestens 50 km fahren, Bitte!!!"
"Wat de Leute det so eilig habn. Alfred war de Ruhe selbst, Jott hatn Seelig. Na, nach oben kommste schneller als de denkst. Det jet ratz fatz. Ehrlich, war ne nette Beerdigung."
"Wenn se nüsch uff de Stelle det Gaspedal drücken, globen se mir, treffen se ihn schneller als ihnen lieb is!"
Eine Kurzgeschichte als Aufgabe des Literaturkurses. Aus heutiger Sicht eine kleine Geschichte die nichts von Einzigartigkeit hat. Bestimmt oft erzählt und vorhersehbar, hat trotzdem Spaß gemacht, gehört zu mir und meinen späten Anfang. Vier Jahre zuvor schrieb ich die allererste Kurzgeschichte in einer Weiterbildung zum Kulturmanagerin (nichts ist grausamer als sich mit dem Markt zu beschäftigen, keine Ambitionen und keinerlei Chancen gehabt für diesen Beruf ) : Atemlos. Im nächsten Post. Chaotisch, wie ich manchmal bin, fehlt mein Allererster lyrischer Reisebericht von 2002? Die gemalten Bilder und die erste Textseite habe ich wiedergefunden, es fehlt der zweite Texteil, wo hat er sich versteckt, habe alle Schubladen und Schränke durchwühlt, sicherlich war ich etwas zu hektisch bei der Suche. Hoffe ihn bald zufinden, dann wird er gepostet. Leider unterließ ich es aus Faulheit einen dritten Teil zuschreiben, dann wäre es Komplet gewesen. Heute geht es nicht mehr, die Stimmung ist dem Vergessen anheim gefallen. Alzheimer oder nur Vergesslichkeit aus purer Trägheit. Gut, es war nur eine erste Übung für meinen ersten Roman "Beziehungstress" obwohl er gänzlich anders ausgefallen ist, vielschichtig, lustig und und und. Nein ,nein, der Roman entstand erst nach dem Literaturkurses.
So werden die Seiten gefüllt um dem Anspruch auf tägliches Posten gerecht zu werden. Immer öfter, nicht täglich, aber doch beinahe täglich. Wie gehabt, ein Hoch auf das Geschwafel.
Das Vorstellungsgespräch findet um 11:30 statt, Martha ist in Eile. Endlich ein Lichtblick, die Möglichkeit einer Festanstellung in greifbare Nähe gerückt. Ein Blick in den Spiegel, die kurzen Haare frisch gekämmt, das Kleid sitzt, kaschiert die Fülligkeit der kleinen Figur. Ein Blick auf die Uhr 10:55. Hastig den Mantel von der Garderobe gezogen, die Haustür zugezogen und im nächsten Moment im Fahrstuhl stehend den Knopf für das Erdgeschoss gedrückt. Das alte Monstrum aus früher Zeit setzt sich in Bewegung, ruckartig wird jedes Stockwerk abgeklappert. Viel zu langsam, der Ungeduld kann es in der Eile nicht schnell genug gehen. Martha will den Job, will die letzte Chance wahrnehmen. Laut Anzeige wird nach einer älteren Dame für den Verkauf von Damenbekleidung XXL gesucht. Es ist die Chance aus der Hartz IV Falle zu entkommen. Walter ist tot, sie waren nicht verheiratet, lebten 20 Jahre in Wilder Ehe, keine Witwenrente und ein Rentenanspruch liegt in weiter Ferne. Das Erdgeschoss ist erreicht, die Hand schon am Griff der Tür, da macht das Monstrum einen Ruck und setzt auf den Boden auf, rums ein Stück tiefer als die Tür. Martha rüttelt an der höher gelegenen Tür, doch sie bleibt verschlossen. Nichts lässt sie mehr von Innen öffnen. "Aus, alles vorbei." Martha schaut auf das Handgelenk 11:00, der Weg in den Laden dauert mit der Tram 20 Minuten. "Aus und für immer vorbei." Die letzte Chance vom Fahrstuhl gestoppt, eingesperrt, gefangen, von der Außenwelt abgeschnitten. "Dieses verdammte Monster bestimmt über mein Schicksal, rächt sich hämisch rächt es sich dafür, weil ich sonst die Treppe nehme. Ich will hier raus!" Laut schreit sie ihre Wut heraus, doch die Verzweiflung lässt nur ein zartes Stimmchen hören. " Hallo, hört mich jemand? Ich will hier raus!" Nichts, alles bleibt still, 11:05. "Nein, das darf nicht vorbei sein! Nein! Die Augen suchen das Licht der Straße, die Hände klopfen und rütteln, nichts passiert. Die Augen suchen nach einer Lösung und da ist er der Notfall Knopf. Hastig berührt der Zeigefinger den weißen Knopf. Ein schriller Ton macht auf ihre Not aufmerksam. Lang und fordernd, Drilll, Drillll.... Nichts geschieht, wieder und wieder setzt sich der Finger auf den Knopf. 11:10 die Hoffnung schwindet. Plötzlich ein Geräusch von Außen ein Klopfzeichen. " Hallo, ist da jemand? Holen sie mich hier heraus!" " Immer mit der Ruhe," antwortet der Hausmeister und zückt den Vierkantschlüssel. Die Tür öffnet sich und eine helfende Hand ermöglicht den Ausstieg. Das Leben hat Martha wieder, hastig ohne sich zu bedanken rennt sie auf die Straße reißt die Arme in die Höhe und siehe da, ein Taxi hält.
"Na, Kleene Frau, wo sollst den hin?"
"Müllerstraße 35, schnell bitte!"
"Immer mit der Ruhe, sind ja janz schön aus de Puste, wollen wohl Shoppen gehen."
Mathas Herz klopft bis zum Hals, sie muss es schaffen. "Können sie nicht etwas schneller fahren? Habe es eilig, einen wichtigen Termin, bitte!"
" Schneller is nich. Ich fahr so wie det geht, nich anders."
Martha beugt sich leicht rüber um den Tacho zu erkennen.
"Eh, wolln se mir ins Lenkrad greifen? Bleibn se schön uff ihrer Seite."
"Gehts nich ein bisschen schneller, 50 dürfen sie doch."
"Immer langsam mit die Pferde, Kleene Frau. Ich bin de Fahrer, det is mein Taxi."
"Hören sie, ich muss spätestens um 11:30 in der Müllerstraße sein, also Bitte!"
"Nee, nee, so jet det nich. Wat ham se denn für Hummeln unterm Hintern? Wat kriegen se denn für'n roten Kopf?"
"Was hat denn mein Kopf damit zu tun, dass sie etwas schneller fahren sollen. Hören sie, ich habe es wirklich eilig."
"Dat is en Verkehr heutzutage. Früher, da war det alles anders. Also meen Freund der Alfred sachte immer: Erwin, sachte er, Erwin lass dir nich unterkriegen."
"Hörn sie! mich interessiert ihr Erwin nicht, ich will nur das sie zügig fahren. Ist das denn so schwer zu begreifen?"
"Ja, ja, Alfred is nu schon ne Weile unter die Erde, die jute Seele. Freundschaft, det jibts heute unter die Leute nich mehr."
"Bitte, sie dürfen mindestens 50 km fahren, Bitte!!!"
"Wat de Leute det so eilig habn. Alfred war de Ruhe selbst, Jott hatn Seelig. Na, nach oben kommste schneller als de denkst. Det jet ratz fatz. Ehrlich, war ne nette Beerdigung."
"Wenn se nüsch uff de Stelle det Gaspedal drücken, globen se mir, treffen se ihn schneller als ihnen lieb is!"
Eine Kurzgeschichte als Aufgabe des Literaturkurses. Aus heutiger Sicht eine kleine Geschichte die nichts von Einzigartigkeit hat. Bestimmt oft erzählt und vorhersehbar, hat trotzdem Spaß gemacht, gehört zu mir und meinen späten Anfang. Vier Jahre zuvor schrieb ich die allererste Kurzgeschichte in einer Weiterbildung zum Kulturmanagerin (nichts ist grausamer als sich mit dem Markt zu beschäftigen, keine Ambitionen und keinerlei Chancen gehabt für diesen Beruf ) : Atemlos. Im nächsten Post. Chaotisch, wie ich manchmal bin, fehlt mein Allererster lyrischer Reisebericht von 2002? Die gemalten Bilder und die erste Textseite habe ich wiedergefunden, es fehlt der zweite Texteil, wo hat er sich versteckt, habe alle Schubladen und Schränke durchwühlt, sicherlich war ich etwas zu hektisch bei der Suche. Hoffe ihn bald zufinden, dann wird er gepostet. Leider unterließ ich es aus Faulheit einen dritten Teil zuschreiben, dann wäre es Komplet gewesen. Heute geht es nicht mehr, die Stimmung ist dem Vergessen anheim gefallen. Alzheimer oder nur Vergesslichkeit aus purer Trägheit. Gut, es war nur eine erste Übung für meinen ersten Roman "Beziehungstress" obwohl er gänzlich anders ausgefallen ist, vielschichtig, lustig und und und. Nein ,nein, der Roman entstand erst nach dem Literaturkurses.
So werden die Seiten gefüllt um dem Anspruch auf tägliches Posten gerecht zu werden. Immer öfter, nicht täglich, aber doch beinahe täglich. Wie gehabt, ein Hoch auf das Geschwafel.
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