Sonntag, 3. September 2017

Haben oder nicht haben. Gedanken nach dem Herbstputz



Zu viel von Allem, viel zu viel Kram. Dinge, die im Keller abgelegt auf Beachtung warteten. Eine Beachtung, die beinah täglich mit kurzem Blick beim Herausholen des Fahrrades stattfand und mit "Später" vertröstet wurde. So verging die Zeit, Jahr für Jahr sammelten sich die Jahrzehnte, während das Alter nach Veränderung verlangte, trotzten die Dinge dem Alterungsprozess, denn sie lagerten, wie ich glaubte, trocken und vor Motten geschützt in Kisten. Bis zum Sommer 2017 da das Wetter auch in unseren Breitengraden extremer wurde. Klimawandel, der von einigen Mächtigen geleugnet wird, weil er nicht in das Konzept der finanziellen Ausbeutung von Ressourcen passt, bescherte uns extremen Starkregen, den es so nur in anderen Regionen der Welt zu geben schien. Die Globalisierung hat nicht nur zur Wanderung von Menschen und Tieren geführt, sie hat auch die mit der globale Erwärmung einhergehenden extremen Wetterverhältnisse in gemäßigte Zonen gebracht.
Die Schäden im feuchten Keller sind gering im Verhältnis zu den Überschwemmungen andernorts. Trotzdem, für den Schimmelpilz gerät jede Feuchtigkeit zu einem Fest der explosionsartigen Vermehrung. Der eilig herbeigerufene Hausmeister winkte nur ab: Feuchtigkeitsschimmel, der verschwindet mit der Trockenheit. Das Klima wird noch eine  Weile mit viel Regen reagieren. Es wird dauern bis seine Tränen von der Sonne ausgetrocknet sind, um die Welt dann mit Wüsten zu überziehen. Nun, meine Vorliebe für Science-Fiction wird durch solche Gedanken beflügelt, bevor der nüchterne Verstand die Oberhand gewinnt. Die Dinge müssen aus dem Keller bevor der Feuchtigkeitsschimmel zu ihnen durchdringt. Der Gedanke an Ebay Kleinanzeigen leuchtete aus der Dunkelheit der Apathie und verwandelte sie flugs in Arbeitswut. Hab ja sonst nichts zu tun beruhigte ich den schmerzenden Rücken oder sind es die Bandscheiben? "Wat mutt dat mutt". Kisten sortieren, die guten ins Töpfchen die anderen in den Müllsack. Stufe für Stufe die guten Dinge in die Wohnung schaffen. Die Müllsäcke hinaus zum Müllplatz schleppen und sich dabei über die Müllcontainer freuen, die so einiges schlucken. Panik macht sich angesichts des Chaos in der Wohnung bereit. Kaum Platz zum Atmen, zuviel von allem und dazwischen die künstlerischen Arbeiten. Entweder alles kurz und klein hauen und entsorgen oder im Sozialkaufhaus abladen. Weder habe ich einen Transporter noch eine Kettensäge. Das Kaufhaus holt auch ab, wie mir eine Nachbarin im Keller erzählte, die davon Gebrauch machte. Es ist schwer sich von den Dingen zu trennen, bin ich deshalb ein Messi? "Wat mutt dat mutt" Allein der Gedanke ein paar Euro mit den Sachen zu verdienen beflügelt das Hirn. Mit dem Smartphone die Dinge fotografiert, wieder in Kisten gepackt und in den nun etwas trockenen Keller zurückgebracht, der zwischenzeitlich von einer Trockenfirma bearbeitet wurde.- Ein Hoch auf die Wohnungsbaugesellschaft, sie tut etwas für ihre Mieter. - Viele, viele Fotos, die die Speicherkapazität belasten, verlangten nach dem nächsten Schritt, die Veröffentlichung. Meine Güte welch ein Aufwand, aber die Dinge werden dann von der Haustür aus verkauft, beruhigte ich mich, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden,  dass es Überrigonal geschaltet wurde. Die Anfragen nach einem Versand kamen, den ich anfangs ablehnte, bis mir dämmerte, dass es Anfragen aus anderen Bundesländer waren. Nee, nicht, bin doch nicht Amazon, allein der Gedanke des öfteren zur Bank zu gehen - Online-Banking is nich- und je nach Eingang in einer langen Schlange vor dem Postschalter zu stehen, wie mühsam, der Verdienst weit unter dem Mindeslohn. Apropo Verdienst,  meine Oma pflegte zu sagen: Wer den Penny nicht ehrt ist des Tales nicht wert. Mein Gewissen verstärkte den Einfluss auf den Verstand. Deine Kunst will keiner,  aber mit dem alten Zeug kannste paar Euro verdienen. Haste ja Zeit, die Couch läuft dir nicht weg. Time is Money. Vom Tellerwäscher zum Millionär.
Es gibt bei Amazon Tipps die Versandkosten zu vermeiden, stehe ich auch drauf, aber nicht bei meinen Dingen. Eine Frau wollte den Rucksack für 10€ und 2,60€ für das Porto eines Maxbriefumschlags. Gut, nehme ich 5 € für den Versand, muss ja auch erst einen riesigen Umschlag besorgen. Die Dame war zuerst einverstanden,  bis ihr, nach einigem Hin und Her an Nachrichten, einfiel, dass das Porto nur 2,60€ kostet 5 war ihr zu viel. Bin kein Versandhandel und will es nicht werden, der Deal kam nicht zustande. Dafür war ein Mann aus Bayern so generös statt 10€ für die alte Waage 30€ + Versandkosten zu zahlen. Gibt noch nette Leute, die einer armen Frau unter die Arme greifen. Dann gibt's welche,  die wollen am nächsten Tag vorbeikommen, aber dann nicht kommen, obwohl ich andere Interessenten dafür abgesagt habe. Verkaufen kann ja sooo anstrengend sein, das alles für ein paar Euro. Will eigentlich kein Lehrgeld für Erfahrungen bezahlen, aber dann der Hammer. Die alte Kinderleier von Auris lag 30 Jahre im Keller, selbst das Enkelkind wollte sie nicht. Hab sie für 18€ angeboten und sofort verkauft. Wurde etwas stutzig weil die Alleinerziehende Dame mit 7 Pflegekinder nach einer Versicherung für das Paket verlangte. Nach verspäteter Recherche im Internet kostet eine Neue 199€. Das Verkaufen ist ein hartes Geschäft und nur etwas für Schlitzohren, trotzdem, beruhigte ich mich, besser solche Erlebnisse als die Langeweile vor dem Flachbildschirm auf der Couch.  Habe endlich etwas  zu erzählen, die Aufregungen über die politische Weltlage ist nix dagegen.