Mittwoch, 25. Oktober 2017

Der freie Wille in der Gegenwart der Genügsamkeit






Eine Post, schreibe eine Post, flüstert das Gewissen. Warum, fragt der Verstand, der die Lust am Schreiben zu verlieren scheint, wäre da nicht das Gewissen, dass an die selbstauferlegte Pflicht erinnert täglich eine Post zu schreiben. Pah, erwidert der Verstand, bringt nichts ein. Wieso etwas einbringen, wenn's doch der Trägheit eine Form von Aktivität entgegensetzt. Ein Argument, ein Stimmungsaufheller an trüben, tristen Herbstagen, die mit Nebel und Regenschauern den Tag vor seiner Zeit verkürzt.
Die Welt quillt über an Nachrichten aus den Medien, die geradezu nach Weltuntergang lechzen, denn nichts reißt uns mehr vom Hocker, von der Couch. Nichts kann dem Sättigungsgefühl entgegengebracht werden ausser Fake News oder kleine individuelle Anekdoten, die je nach dem Wert des Aufregungsmodus etwas Abwechslung im alltäglichen Einerlei versprechen.
Worüber könnte ich da schreiben, kleine Enkelkinder fordern immer die volle Aufmerksamkeit der Erwachsenen, egal ob Oma, Omi, Mama, Papa, Erzieherinnen usw. Eine beliebte Frage von Erwachsenen lautet: von wem hat das Kind das nur? Es liebt lackierte Fingernägel, natürlich nur Lack für Kinder, der hat angeblich weniger Gift, obwohl diese kleinen Glitzerteilchen??? Weder Mama, Oma, Omi haben lackierte Nägel. Vielleicht die Erzieherinnen ? Nein, sagt das Kind und die Stimme und Mimik verändert sich leicht ins Genussvolle, die finden das widerlich. Widerlich? Das ist interpretierbar, vielleicht liegt es doch an den Genen, denn die beiden Uromas pflegten vor langer, langer Zeit ihre Nägel sorgsam mit Lack. Das Kind hat einen sehr ausgeprägten Willen, den es gerne lautstark schreiend unter Beweis stellt. Mit bewundernswerter Geduld reagieren die Eltern freundlich auf jede Regung, worauf das Kind mit noch größerer Wut reagiert. Von wem hat es das nur? Oma platzt der Kragen, mit Essen sollte man nicht spielen. Oma möchte nur friedlich Frühstücken, während Kind sich 7 Salamie Scheiben auf's Hörnchen legt, kleines Stück abbeißt, ausspuckt und am Liebsten alles auf den Boden werfen möchte. Mama kann das gerade noch verhindern, in dem sie flötet: Möchtest du ein Ei essen? Lautest Geschrei. Oma kann nicht mehr. Ebenfalls etwas lauter verweist sie auf den Hunger in der Welt. Viele, viele Kinder müssen hungern. Nun wird Mama etwas laut zur Oma. Kind darf selbst entscheiden ob und wann es essen will. Ooch keift Oma, von wem hat es das nur? Mama antwortet ruhig. Na von dir natürlich. Stimmt, könnte sein, denn dieses Eiapopei von Mama und Papa geht mir auch auf den Geist.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Dialektik der Realität in der Fiction

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Heimat ein Begriff der lange Zeit negativ besetzt war und heute aktueller ist als er vielleicht je war. In Zeiten der Globalisierung wird die Heimat zu einem Anker der Identität. Was ist, wenn die Heimat nicht mehr existiert, dann wird sie zu einem Ort der Erinnerung. Die Heimat kann aber auch missbraucht werden, wenn die Angst vor Überfremdung das Handeln von Menschen bestimmt. Die einzige Wahrheit steht, dass nichts bleibt wie es einst war. Eine Erkenntnis die gerne verdrängt wird und die Erinnerung an Heimat glorifiziert. Ein Trugschluss, der zur subjektiven Wahrheit wird, die Geburtsstunde der Fake News. Alle mal angenehmer als eine Realität, die Lösungen für die Zukunft  verweigert. Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, der zum Denken fähig ist. Ein Dilemma, denn ein Fünkchen  Zweifel, der nach Gewissheit schreit, meldet sich, staut sich an, entlädt sich in Wut und Aggression, die Eltern des Hasses. Diejenigen, die nach realistischen Lösungen streben, was fasst unmöglich erscheint, sehen sich nicht nur einer Wut der anderen, ausgesetzt, sondern erkennen einen Berg an Widrigkeiten, der abgebaut werden will. Um das Unmögliche zu bewältigen bedarf eines positiven Denkens, dass auf der negativen Wahrheit von Möglichkeiten aufbauen kann.

Aus der sehr fernen Vergangenheit der Menschheit legen Ausgrabungen Zeugnis ab vom Untergang der Hochkulturen rund herum des Planeten Erde. Die Schwierigkeit nach den Ursachen zu forschen liegt an nachweisbaren Fakten, die nur mit Hilfe kreativer Fantasie entschlüssel werden könnten, aber ohne realem Beweis immer in der Fiktion stecken bleiben.  Tatsache bleibt, dass es nachweisbare Klimaveränderungen gab, die zum Zusammenbruch der Kulturen führten, denn sie konnten sich wahrscheinlich nicht darauf einstellen, vielleicht war es auch der Wahn der Macht, der zu Kriegen führte oder die Unfähigkeit der Herrschenden Klassen auf Veränderungen mit Maßnahmen zu reagieren, die eine reale Zukunft für alle sicherten. Die Wut der einfachen Menschen, die den Untergang spürten und die Unfähigkeit der Herrschenden mit Wut und Aggression begegneten und so zum Sturz der Ordnung beitrugen, die den Zusammenbruch der Kulturen besiegelten. Vielleicht, vielleicht  sind sie alle zusammen möglich gewesen und haben den Untergang besiegelt.  Ähnlichkeiten zum Heute liegen auf der Hand. Die Entwicklung des Modernen Menschen umschließt bis jetzt nur einen kurzen Zeitraum. Die Entwicklung der technischen Möglichkeiten sind atemberaubend, aber merkwürdiger Weise ist der Mensch in seiner Art der menschlichen Problemlösung sehr,sehr viel langsamer in seiner Entwicklung. Sind wir unfähig eine Zukunft zu gestalten, weil die Bequemlichkeit, in der ersten Welt, am Festhalten des Gewohnten daran hindert? Vielleicht oder bestimmt, gab es in den Hochkulturen vor 3000 Jahren oder auch länger immer wieder Revolutionen, so wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Die Entwicklung von Waffen verringern heute die Möglichkeiten einer Revolution. Eine Bedrohung der Demokratie, die ihrem Ende entgegen sieht, falls die Menschen nicht gemeinsam nach Lösungen suchen, die allen mehr  zu gerechten Verteilung weltlichen Güter verhilft. Allerdings lässt das Ende der auszubeutenden Ressourcen nichts gutes für die Zukunft der Menschheit zu. Statt weitere technischen Fortschritte, die wichtig sind, sollten wir endlich aus der Vergangenheit lernen. Die Fähigkeiten sind uns gegeben, die Möglichkeiten liegen auf der Hand, setzen wir es um.
Ob es auch in den vergangenen Hochkulturen solche Gedanken gab?

Samstag, 7. Oktober 2017

Kleiner Orkanschaden



Mein Freund der kleine Baum, die amerikanische Zierkirsche, ist tot. Starb nicht im Abendrot, es war an einem Nachmittag, da viele große Bäume von den Boen des Orkan entwurzelt wurden. Der Stamm knickte ab, die Krone liegt nun längsseits meines Balkon. 17 Jahre schirmte das Bäumchen vor Blicken und Sonnenstrahlen . Im Frühjahr voller, weißer Blüten, kamen des Sommers die Vögel die kleinen Beeren naschen. Ab und an lugte ein Eichhörchen zu mir hinüber oder Tauben sondierten meinen Balkon zwecks Niederlassung zum Brüten.
Nun hab ich freie Sicht, das Zimmer mehr Licht und die Balkonpflanzen werden nächstes Frühjahr mehr Sonne abbekommen. Wehmütig schaue ich auf das Bäumchen, das mehr ein großer Strauch, bestehend aus zwei Stämmen, war. Erst jetzt wird mir bewusst, das kaum Vögel dieses Jahr zu sehen waren, ausgenommen die lärmenden Krähen. Hat der Baum überhaupt geblüht? Die Blätter sehen nicht nach Herbst aus, eher blass und krank. Die abgeknickten Stämme von innen bräunlich verfärbt. Alles ist vergänglich, nichts bleibt wie es einmal war, ein zurück in die Vergangenheit wird es, so wie es war, nicht mehr geben. Vielleicht drückt die Natur mit ihren immer bestialischen Gewalttaten den Reset Knopf. Alles auf Anfang, um sich dann erneut zu entwickeln, ob der Mensch dann noch eine Chance zu existieren hat?
Der Orkan hat 7 Menschen das Leben gekostet, wenig im Vergleich zu der Vielzahl an Opfern, die ein Mensch mit den entsprechenden Waffen auslöschen kann. In den USA haben die Menschen einen Präsidenten gewählt, der in seiner Fehlbarkeit zum unfreiwilligen Helfer der Natur werden könnte, weil er immer wieder genüsslich mit dem Reset Knopf spielt. Er ist das trojanische Pferd einer großen Interessengruppe, die glaubt mit ihren Mitteln die Macht der Herrschaft festigen zu können, um doch nur zum Handlanger einer Natur zu werden, die ihren Untergang besiegeln wird. Wie heißt der Spruch: Nach mir die Sintflut. Finanzieller Reichtum kann nur dann seine Möglichkeiten entfalten, wenn es einen Gegewert gibt. Um das zu erkennen braucht es eine Weitsicht, die leider von der Gier vernebelt wird.