Freitag, 3. Oktober 2014

Erinnerungen zum Tag der Einheit

Damals, als die DDR präsent war, erinnere ich mich an die sonntäglichen Schweinebraten bei den Verwandten in Ostberlin. Als arme Studenten gingen wir gerne über die Grenze von West nach Ost. Der Hunger überwindet auch Mauern und wenn der Onkel dann den Braten kräftig mit Alkohol runterspülte, lachten wir herzlich über die neuesten Witze von Honecker und Co. Zu Laut durften wir nicht sein, denn der Blockward lauschte mit, deshalb stellte die Tante das Radio lauter. Als Wissenschaftler durfte der Onkel in den Westen reisen, aber auch in der DDR gab es so etwas wie Mobbing und jüngere Kollegen drängten den Onkel aus seiner privilegierten Stellung. Das hat er im Lauf der Jahre nicht verkraftet und eines Tages erlöste der Suff ihn und da lag er dann im Flur und starb. Die Tante überlebte den Schock nur um wenige Jahre, wo sie in der Psychiatrie ihrem Leben ein Ende setzte. Kurz vorher durften wir sie ein Mal besuchen. Ich sehe noch heute die Barackenähnliche Anstalt, gelblich, schmutzige, verschlossene Räume und trostlose Patienten.

Vor jedem Besuch nach Ostberlin stand die Bewilligung, der Passierschein, zur Einreise im Westen an. Deutsche Bürokratie in West und Ost waren gleich dröge und furchtbar langweilig, aber Studenten haben mehr Zeit als andere. Manchmal ging ich zum Einkaufen rüber, denn Künstlermaterial und Kunstbücher waren sehr viel billiger, wurden noch billiger beim verbotenen Westtausch der Ostmark eins zu vier. Ein Nervenkitzel sondergleichen, der Schweiß lief von der Stirn nicht vor Hitze, sondern vor Angst erwischt zu werden, wenn man in der langen Schlange vor dem Ausreiseschalter in der Friedrichstraße stand und Stichprobenartig kontrolliert wurde, was eingekauft und im Osten an die Devisen getauscht wurde. Mein Einkauf wies immer mehr aus als ich im Osten Zwangstauschen musste. Vielleicht kannten die Beamten mich und drückten ein Auge zu, wenn ich vollgepackt von Ost nach West ging, denn sie kontrollierten mich nie, dass machte mich mutiger und so erstand ich ein DinA 1 Holzzeichenbrett im heutigen Kaufhof. War garnicht so einfach zu tragen, denn über der Schulter hing die volle Büchertasche.
Mit der Grenzöffnung kamen Ossis rüber zu den Wessis und holten sich 100 Mark ab. Sie standen vor den Supermärkten nach Bananen Schlange oder kauften viele Jeans. Für uns Wessis war der Besuch der Oper unter den Linden für sehr kleines Geld ein großer Genuss. Lang, lang ist es her und heute lachen wir über die Begriffe Ossis und Wessis.

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