Seit einiger Zeit steht eine Bank zwischen Dönerstand und Bushaltestelle. Wann sie aufgestellt wurde ist mir entfallen. Plötzlich war sie da und der Döner schmeckt im Sitzen besser als im Stehen. Genau genommen sind es drei einzelne Sitze aus Metall, die durch ein Gestell verbunden sind und in einem kaum wahrnehmbaren Grün gestrichen sehr unauffällig unter einer alten Eiche, Buche oder ? steht. Es ist Samstagnachmittag, der Hunger treibt es rein und die Kälte läßt keine Gemütlichkeit aufkommen. Trotzdem, ich habe einen der drei Plätze ergattern können und beiße in den warmen Döner mit Joghurtsoße, Salat, Kartoffelchips und so etwas ähnliches wie gebratenem Fleisch, mehr Vegetarisch als Fleisch. Es schmeckt und der dröge Blick auf den Verkehr läßt mich über das Sein sinnieren. Warum sitze ich hier? Nur weil es einen Sitzplatz gibt, der in einer sehr nüchternen Umgebung jeglichen Reiz vermissen läßt? Es schmeckt, mehr darf ich nicht erwarten, Shoppen verlangt Kompromisse eingehen, denn Shoppen in schöner Umgebung gibt es weder in einer Mall noch in der Einkaufsstraße. Shoppen ist Freizeitbeschäftigung ohne Anspruch auf Erfüllung eines Glücksgefühl. Doch, was ist das? Trotz des Verkehrslärm höre ich mein Handy immer lauter, fordernd klingeln. Der Döner in der rechten Hand wühlt die andere Hand in der großen Tasche. Kurz bevor der Anrufer auflegt, erwische ich ihn. Telefonieren in der Öffentlichkeit scheint noch immer Begehrlichkeiten zu wecken, denn Fremde kommen verdächtig näher und bleiben dicht bei mir stehen. Gut, es scheint wiedererwartend ein öffentliches Interesse an meinem Gespräch zu geben, dass muss genossen werden, wer weiß ob es jemals wieder passieren wird, kommt ja äußerst selten vor. Ich denke an eine
Theatervorführung, fühle mich als Schauspielerin und ziehe alle Register einer dramatischen Inszenierung. Mein Anrufer scheint anfänglich etwas irritiert zu sein, doch dann, er meldet sich sehr selten, stellt er meine Glaubwürdigkeit nicht infrage. Warum sollte ich Irma auch nicht leiden können. Die Begründung wird akzeptiert. Der Rest vom Döner liegt kalt in der rechten Hand und der kalte Wind und die 12 Grad Außentemperatur beenden die kurze Vorstellung. Kalt schmeckt der Döner auch. Das Publikum hat sich mit den letzten Worten des Grußes entfernt.
Oh, gleich drei Busse drängen an die Haltestelle.

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