Samstag, 10. Oktober 2015
Gedanken schlafen nicht
Da laufen sie, die Gedanken, aber niemand weiß wohin, ich am aller Wenigsten. Ein Problem ergibt sich dadurch nicht, warum auch, sind allein meine Gedanken, mein geistiges Eigentum. Wie das klingt, so hochtrabend, erhaben, dabei doch so banal. Nichts kommt von nichts, eine feststehende Tatsache und warum soll ich jetzt WhatsApp installieren? Geh mit der Zeit, sagt eine innere Stimme, muss wohl ein Gedanke sein, wer sonst spricht mit mir von Innen nach Außen. Gut, gut, werde es demnächst anpacken, hab ja sonst nichts vor. Da protestiert etwas und säuselt:"He, was ist mit mir, Projekt Moby Dick Adaption?" Wenn ich mich so umschaue, von der Couch aus, trotzt die Wohnung vor Arbeitseifer. Die Farben, aufgereiht, stauben auf dem Tisch langsam, aber sicher ein, furchtbar teuer, mischen sich mit dem Staub der Zivilisation. Die Turner Kunstbücher liegen links davon auf einem kleinen Beistelltischchen, Mindestens 10 Skizzenbücher von DinA 3 bis A5 liegen gestapelt vor dem Fenster. Irgendwo, verbuddelt die Moby Dick Übersetzungen, hier und da lugt eine Graphic Novel zum Thema aus dem Tischchaos hervor. Das Kreative Chaos suggeriert Geschäftigkeit. Im anderen Zimmer steht versteckt der lädierte Laptop ( ein gebrochenes Scharnier), verbunden mit einem externen, großen Bildschirm, Tastatur, Maus und Drucker. Etliche bedrucktes Papier mit Texten zu Moby Dick, umschwirren den Schreibtisch und Teppich. In der Kürze liegt die Würze, ich kann nicht anders. 400 Buchseiten gekürzt auf 6 DinA 4 Seiten, natürlich in eigene Worte gefasst. Ständig wandelt der Text, wird verändert, ergänzt und gekürzt. Ein Prozess, der niemals endet. Ich drucke, ich sehe und die Unzufriedenheit gewinnt die Oberhand. Schnell, schnell sagt die Stimme, es wollen noch 600 Seiten gelesen und Zusammengefasst werden. Nicht nur zusammenfassen, ein Gefühl für den Inhalt, für meine Art der Adaption verlangt Hingabe, Konzentration, keine Langeweile. Gut, die Tagesschau verlangt meine Aufmerksamkeit, wieder etwas Aufregung tanken. Sprengsätze, Türkei, PKK, Flüchtlinge, TTIP, Kanzlerschaft, Herr Seehofer, Abgase beim Diesel von VW. nichts Neues, alles wie gehabt. Freue mich auf die West Side Story, mein Lieblingsfilm aus der Kindheit. Was habe ich die Familie genervt mit dem ständigen abspielen der Platte zum Film, der wunderbaren Musik von Leonard Bernstein. Ach damals, da war die Welt noch im Lot, jedenfalls aus der Erinnerung heraus. Was wird morgen sein, bleibt da auch ein wohliges Gefühl der Erinnerung vom heute?
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