Dienstag, 1. September 2015

Das Unwort Neger im öffentlichen Raum

Was für ein Tag, alles in Ordnung, das Wetter warm und meine Gedanken so heiß. Endlich etwas Aufregung, der harmloseren Art, obwohl das Wort, um das es geht, nicht ausgesprochen werden darf. Da hat ein Politiker vom wunderbaren Neger gesprochen. Welch eine Aufregung für alle Weißen Gutmenschen, bin ich ein böser Mensch,  - gut in Erinnerung an eine alte Zeit, da es im normalen Sprachgebrauch und in vielen Büchern für alle Ewigkeit gespeichert wurde - weil ich diesem Wort nichts schlechtes abgewinnen kann, wohlweislich, dass es von Rassisten als Schmähwort benutzt wird? Es gibt viele Worte die mißbraucht werden. Das Wort Neger stammt aus einer Zeit, da man farbige Menschen so klassifiziert hat. Oh jeh, jetzt habe ich das Wort Farbig verwendet für Menschen mit dunkler Hautfarbe, dabei bin ich doch viel farbiger, mal läuft mein Gesicht rot an, dann werde ich vor Schreck leichenblass und im Sommer schimmert meine Haut im schönsten Braun. Die Hautfarbe eines Menschen sagt nichts über seine Person aus, verortet ihn weder auf den afrikanischen noch auf den amerikanischen Kontinent, hat also keinerlei Bedeutung im alltäglichen Umgang miteinander, also warum dann die Betonung der Hautfarbe, wenn ein jeder das Recht hat mit seinem Namen angesprochen zu werden. Es ist die alte Überheblichkeit der sogenannten weißen Rasse, auch so ein schreckliches Unwort.
Obwohl das Wort Neger meiner Kindheit durch Literatur und Comic positiv besetzt war und ich es nur in diesem Kontext verwende, rege ich mich tierisch auf über die Mitmenschen zum einem und die Rassisten zum anderen. In einer pluralen Gesellschaft sollte man dem Wort Neger toleranter begegnen um der Diskriminierung der negativen Bedeutung entgegen zu treten. Es als dass zu sehen was es ist, eine alte Bezeichnung aus den 50iger Jahren. Eine Dämonisierung führt nur zu einem weiteren Missbrauch durch Menschen, die alles "Fremde" ablehnen.

Warum rege ich mich so auf? Ganz einfach, ich habe nie die Hautfarbe meines Gegenüber wahrgenommen, sondern nur den Menschen mit dem ich in Kontakt trete. Wenn wir alle so denken würden, dann spielen irgendwelche Stigmatisierungen keine Rolle mehr.

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