Freitag, 12. Februar 2016

Shoppen im Rausch der Krisen



 Es geht mir gut, zu gut. Ein teurer Umstand, denn dann wandle ich mich von einer Sehfrau in eine Kauffrau, die zur Schnäppchenjagd Tag für Tag durch die Stadt tigert. Warum tigert, ach ja, die Schuhe in Raubtieroptik. Schuhe über Schuhe pflastern meinen Weg, es gibt kein halten, die Kreditkarte hat das Bargeld abgelöst und somit die Kontrolle über die Finanzen. Mein ganzer Stolz ein schwarzer Pulli mit einem wundervoll gestickten Kopf eines lieben Bully.  Wie lange hat daran ein Mensch gearbeitet und nun hat der Pulli ganze 3€ gekostet. Ich trage ihn mit Würde in Gedanken an den armen Menschen, der für einen Hungerlohn daran gearbeitet hat. Der Hund erinnert mich an meinen Vater, der mir zu meiner Geburt einen Bully von Steiff geschenkt hatte, der einzige Hund, der mich auch heute noch begleitet. Ich mag den Pulli gar nicht mehr ausziehen, denn er unterstreicht mein unerwartetes Wohlbefinden, von dem ich nicht weiß woher es stammt, es ist einfach da und will nicht verschwinden, ein sehr teurer Zustand der Zufriedenheit in einer Welt des Umbruch, von dem Niemand weiß wie er sich entwickeln wird. Syrien,  der Nahe Osten, der am Boden liegt und den Westen allzu gerne mitreißen möchte. Lösungen sind nicht unmöglich, allein der Wille fehlt, denn ein jeder Glaubt an die Macht der Vorherrschaft, die nur im Untergang enden wird. Mir kam da ein Gedanke, im Kaufhaus, als ich mich zwischen diesem und jenem entscheiden wollte, obwohl ich Entscheidungen nicht leiden kann. Ein wenig gedankliche Ablenkung tat mir in dieser Situation gut, so zwischen den Schuhen. Warum wird Syrien nicht in Zonen aufgeteilt und unter Aufsicht der Alliierten gestellt. Russland und ihr geliebter Assad, USA und die gemäßigten Rebellen, Deutschland und die Kurden, mehr fiel mir nicht ein. Jede Gruppe verwaltet ein Gebiet, die Flüchtenden können sich die Zone aussuchen und alle gemeinsam bekämpfen den IS im Inneren wie im Äußeren. Nach den vielen Jahren des Übergangs kann sich der Staat neu erfinden. Die Kurden behalten ihre Autonomie und die Türkei lebt wieder in Frieden, die Touristen kehren zurück und mehren den Wohlstand. Friede, Freude, Eierkuchen, ich habe mich für die Pumps entschieden.

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